Archäologische Grabungen in Baden-Württemberg: Jahresbilanz 2017

Im Jahr 2017 wurden in Baden-Württemberg über 200 Sondagen und Ausgrabungen durchgeführt. Ein beträchtlicher Teil davon erstmals unter Einbeziehung von Grabungsfirmen, wobei kommerzielle Firmen ausschließlich bei planbaren Rettungsgrabungen eingesetzt wurden, also bei Baumaßnahmen im Bereich bekannter archäologischer Fundstätten. Dadurch konnte sich das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) Baden-Württemberg auf die Durchführung von methodisch besonders anspruchsvollen Schwerpunkt- und Forschungsgrabungen, aber auch auf kaum planbare Notgrabungen im Zuge archäologischer Zufallsentdeckungen konzentrieren.

Das Spektrum der Ausgrabungen zeigt, mit welchen Überraschungen bei Ausgrabungen zu rechnen ist und welches Geschichts- und Erkenntnispotential der Boden nach wie vor birgt. Einige Beispiele:

  • Unter einem Felsdach bei Niederstotzingen-Stetten bzw. Bissingen (Landkreis Heidenheim) wurde eine bedeutende Fundstätte der Steinzeit untersucht, die zwischen ca. 14.000 und 4000 v. Chr. Menschen als Lagerplatz diente. Die Fundstätte liegt im Lonetal, einer der wichtigsten Fundlandschaften der Altsteinzeit, die 2017 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen wurde.
  • In Bad Buchau (Landkreis Biberach) wurden in einem verlandeten Uferbereich des Federsees zahlreiche Aufsehen erregende prähistorische Holzfunde, darunter Holzpaddel und Fragmente von Einbäumen entdeckt. Völlig überraschend kamen in der Grabung auch Überreste der ältesten Bauernkultur Mitteleuropas, der sogenannten Bandkeramiker, zu Tage.
  • In einem Neubaugebiet in Singen-Bohlingen (Landkreis Konstanz) konnte bei einer Rettungsgrabung ein Grab freigelegt werden, das aus der Zeit des ersten Metallgebrauchs, d.h. der frühen Bronzezeit (2200 – 1900 v. Chr.), stammt und u.a. einen Bronzedolch enthielt.
  • Bei Langenenslingen (Landkreis Biberach) wurden die Ausgrabungen an der rätselhaften keltischen Kultanlage der „Alten Burg“ fortgesetzt.
  • Bei Rheinau-Diersheim (Ortenaukreis) wurden die wissenschaftlich bedeutenden Ausgrabungen in einem der seltenen frühgermanischen Gräberfelder fortgesetzt. Aufsehen erregt dabei das Grab eines suebischen Kriegers, der offensichtlich im römischen Militär diente.
  • Der Erweiterung eines Industriegebietes bei Illingen (Enzkreis) musste der letzte erhaltene Rest eines frühmittelalterlichen Gräberfeldes des 6. und 7. Jh. n. Chr. weichen.
  • In Pforzheim (Enzkreis) wurden die großflächigen Ausgrabungen im Bereich der mittelalterlichen Kernstadt fortgesetzt, wobei umfangreiche Zeugnisse der Stadtgeschichte bis ins 12. Jh. Chr. dokumentiert und geborgen werden konnten.

Die Zahl der archäologischen Ausgrabungen im Land nimmt seit Jahren stetig zu. Dies liegt einerseits an der boomenden Bauwirtschaft. Damit einher geht die steigende Zahl von Baumaßnahmen, bei denen archäologische Denkmale neu entdeckt oder bekannte Fundstätten überplant werden. Andererseits wird die Archäologische Denkmalpflege inzwischen im gesamten Land bei Bauvorhaben frühzeitig eingebunden, sodass im Vorfeld von Baumaßnahmen immer häufiger systematische Prospektionen in Form von Baggersondagen durchgeführt werden können.

Die im letzten Jahr gemachten archäologischen Funde und Entdeckungen werden in den kommenden Wintermonaten restauriert, ausgewertet und anschließend archiviert. Eine ausführlichere Jahresbilanz wird das vom Landesamt für Denkmalpflege zusammengestellte Jahrbuch »Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg« bieten, das im Juli 2018 im Theiss-Verlag erscheinen wird.

Quelle: LAD BW