Höhlen- und Heimatverein Laichingen gibt neue Broschüre heraus

24 Seiten mit schönen Fotos, anschaulichen Grafiken und Texten: Mit einem neuen Heft stellt der Höhlen- und Heimatverein Laichingen die Tiefenhöhle vor.

Im kommenden Jahr feiert der Höhlen- und Heimatverein Laichingen sein 70-jähriges Bestehen und gleichzeitig die Entdeckung der Tiefenhöhle vor 125 Jahren. Das Doppeljubiläum ist für den Verein Anlass, vom 15. bis 18. Juni 2017 in Laichingen die Jahrestagung des Verbands der Deutschen Höhlen- und Karstforscher auszurichten. Die Teilnehmer werden in ihrer Tagungsmappe eine Broschüre vorfinden, die auf 24 Seiten die 87 Meter tiefe und insgesamt 1348 Meter lange Tiefenhöhle beschreibt. Das Heft ist bereits jetzt im Höhlenhaus in Laichingen für 2,50 Euro zu haben. Dass es jetzt gedruckt wurde, hat nicht unbedingt mit dem Jubiläumsjahr zu tun, sagt Prof. Wolfgang Ufrecht, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins. „Die alte Auflage war ausverkauft und wir brauchten was für die Saison.“ Der Verein habe sich für eine vollständig neu gestaltete Neuauflage entschieden.

Das Layout des in einer Auflage von 2000 Exemplaren erschienenen Hefts wurde erstellt vom Ulmer Büro Bertron-Schwarz-Frey in Zusammenarbeit mit Wolfgang Ufrecht, von ihm stammen auch die Texte. Der Botaniker Klaus Dobat hat einen Beitrag über die Kleinstlebewesen in der Höhle und die so genannte Lampenflora beigesteuert. Er und Karin Ilg haben 16 Algenarten, 26 Laubmoos-Arten und drei Farnarten nachgewiesen, die unter dem Licht der Höhlenlampen gedeihen. Beschrieben werden auch seltene Tiere wie ein Fadenwurm und eine besondere Art eines Doppelschwanzes, ein blindes, fast weißes Ur-Insekt.

Der erste, der Licht in die bis dahin unbekannte Höhle brachte, war der Laichinger Sandgräber Johann Georg Mack. Er hatte im Herbst 1892 gesiebten Dolomitsand auf einen Haufen geschüttet und wunderte sich, dass der Vorrat über Nacht deutlich schrumpfte. Der Sand war nicht gestohlen worden, sondern in eine offene Spalte gerieselt. Macks Sohn Ulrich wurde mit einer Kerze versehen an einem Seil in die Tiefe gelassen. „Der Anfang zur Erforschung der Laichinger Tiefenhöhle war gemacht“, schreibt Wolfgang Ufrecht in dem Heft.  1894 zeichnete der Ulmer Architekt Kienzle den ersten Höhlenplan. 1906 stieg eine elfköpfige Gruppe bis in eine Tiefe von 80 Metern hinab. Die Erschließung der Höhle begann nach dem Ersten Weltkrieg, die erste elektrische Beleuchtung wurde 1936 installiert.

Heute verfügt die einzige zur Schauhöhle ausgebaute Schachthöhle Deutschlands über einen 330 Meter langen Besucherweg, der teils über steile Treppen führt. Besucher können die Höhle ohne Führer erkunden. An fünf Audiostationen können Erläuterungen, auch in Englisch und Französisch, abgerufen werden. Besucher können absteigen bis zu einer Tiefe von 55 Metern und sehen Tropfsteine, versteinerte Seeigel und Perlsinter, genannt „Streuselkuchen“. Während des Gangs durch die Höhle ließen sich nicht nur der Schichtaufbau der Weißjura-Kalke und die Schwammriffe aus der Jurazeit, sondern auch die Prozesse der Höhlenentstehung studieren, meint der Geologe Wolfgang Ufrecht. Ergänzende Informationen liefere das im Rasthaus untergebrachte Höhlenmuseum.

Noch immer wird in der Höhle geforscht: Erst 2013 wurden neue Gänge mit einer Länge von 200 Metern entdeckt, die in eine Tiefe von 87 Metern führen. Die Broschüre zeigt den aktuellen Plan.

 

Quelle: Südwestpresse

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