Die Römer auf der Schwäbischen Alb und im Vorland

Geschichte ist trocken. Nein, ist sie nicht! In unseren Texten über die Fundstellen haben wir bewusst versucht, eine verständliche Sprache zu finden, mit möglichst wenigen Fachwörtern. Und wenn doch welche auftauchen, haben wir sie hoffentlich erklärt. Wir werden auch noch versuchen, Grundrisse und Fotos einzufügen, damit man sich vorstellen kann, wie alles mal ausgesehen hat. Anregungen, Kritik oder Hinweise sind willkommen und ausdrücklich erwünscht!

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Römische Fundstellen Schwäbische Alb

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Köngen, Kastell: 48.677372, 9.360228
Villa Rustica: 48.665646, 9.369197
Villa Rustica: 48.678702, 9.354559
Waldhäuser Schloß - Villa Rustica: 48.658629, 9.316290
Villa Rustica: 48.671040, 9.277308
Villa Rustica: 48.633599, 9.322152
Römische Töpferei: 48.621748, 9.351565
Römische Ziegelbrennöfen: 48.631260, 9.563696
Welzheim, Westkastell: 48.871644, 9.642124
Welzheim, Westkastell: 48.873362, 9.632990
Kleinkastell: 48.886632, 9.633821
Kohortenkastell Schirenhof: 48.786900, 9.777625
Römisches Bad: 48.785803, 9.775309
Kleinkastell Freimühle: 48.791568, 9.763686
Rekonstruktion Rätischer Limes: 48.790582, 9.761847
Kleinkastell Kleindeinbach: 48.797243, 9.755087
Kleinkastell Hintere Orthalde: 48.816049, 9.830244
Kastell Unterböbingen: 48.818834, 9.923655
Kastell Aalen: 48.835743, 10.084519
Römischer Keller: 48.670976, 9.277308
Römische Gebäude - Villa Rustica ?: 48.708078, 9.334467
Römisches Heiligtum: 48.666220, 9.294380
Reste einer Römischen Straße: 48.674390, 9.305474
Villa Rustica: 48.674324, 9.292346
Dettingen/Teck-Kleinkastell: 48.603812, 9.453058
Deggingen - Kastell: 48.584477, 9.726257
Donstetten - Kastell: 48.504766, 9.570422
Urspring - Kastell: 48.549879, 9.900613
Gomadingen - Kastell: 48.404030, 9.391199
Eislingen - Kastell: 48.694657, 9.725938
Heidenheim - Kastell: 48.676678, 10.152149
Willmandingen - Römische Funde: 48.378089, 9.157622
Burladingen Kastell: 48.292445, 9.083889
Albstadt-Lautlingen, Kastell: 48.213561, 8.981376
Geislingen-Häsenbühl - Kastell: 48.275091, 8.770695
Döttenbichl - Römisches Schlachtfeld: 47.586957, 11.072770
Rainenbichl - Marschlager: 47.591261, 11.075405
Owen - Villa Rustica: 48.585390, 9.451490
Amstetten Mansio: 48.599377, 9.876985
Römische Gebäude: 48.590840, 9.870014
Römisches Gebäude: 48.585848, 9.868693
Villa Rustica: 48.588654, 9.885206
Römisches Bad: 48.623104, 9.756932
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Albstadt-Lautlingen, Kastell

Kastell Lautlingen

Das Kastell liegt als oberirdisch nicht sichtbares Bodendenkmal etwa auf halbem Wege zwischen Lautlingen und Ebingen auf einer Passhöhe, die heute von der Bundesstraße 463, der Kreisstraße 7153 und einer Eisenbahnstrecke genutzt wird. Es befindet sich zum größten Teil unter den landwirtschaftlich genutzten Flächen der Flure „Steinhaus“ und „Totland“, lediglich ein Teilbereich des Kastellareals ist von einem Gärtnereibetrieb überbaut. Von der Kreisstraße wird das Lager durchschnitten, von der Bahntrasse im Süden tangiert.

Wie alle Kastelle der Alblinie befindet es sich auf einer Wasserscheide, der Europäischen Wasserscheide zwischen Rhein und Donau, die hier mit rund 742 m ü. NN ihren niedrigsten Punkt im weiten Umkreis erreicht und die heute gleichzeitig die Gemarkungsgrenze zwischen Lautlingen und Ebingen bildet. Die Wasserversorgung der Garnison war durch die Quellhorizonte des Riedbaches und des Ebinger Talbaches gesichert, die Südhanglage erlaubte eine Sichtkontrolle der Passstraße auf einer Länge von insgesamt fünf Kilometern.

Das Kastell Lautlingen war möglicherweise Bestandteil des Alblimes, einer römischen Grenzlinie des späten 1. Jahrhunderts n. Chr., die sich über eine Länge von knapp 135 Kilometern von Arae Flaviae (Rottweil) im Südwesten bis Aquileia (Heidenheim an der Brenz) im Nordosten auf der Schwäbischen Alb erstreckte. An vielen Stellen in der Literatur wird jedoch die Ansicht vertreten, dass das Kastell eventuell nur in Verbindung mit der römischen Straße von Sulz zur vermuteten Donaufurt bei Laiz zu sehen sei und keineswegs zur Kette der anderen Albkastelle gehöre. Vor dem Hintergrund relativ unklarer Befunde können Funktion und Bedeutung des Lautlinger Militärlagers zum gegenwärtigen Stand der Forschung nicht mit abschließender Sicherheit interpretiert werden.

Die Fortifikation befand sich vermutlich auf dem Gebiet der römischen Provinz Germania superior. Das ein wenig weiter östlich gelegene Kastell Burladingen, mit dem Lautlingen durch eine Straße verbunden war, gehörte bereits der Provinz Raetia an. Der genaue Verlauf der Grenze zwischen Obergermanien und Rätien im 1. Jahrhundert n. Chr. ist jedoch heute nicht mehr präzise nachvollziehbar.

Forschungsgeschichte

Bereits 1840, 1874 und dann verstärkt ab 1895 traten in der Umgebung des Kastells römische Hinterlassenschaften zu Tage. 1913 wurde nur wenige Meter nördlich des Lagers ein römisches Steingebäude angeschnitten. Dies und der Umstand, dass die Topographie dieser Gegend frappierende Ähnlichkeit mit der des Kastells Burladingen aufweist, bewegte Gerhard Bersu dazu, hier 1924 und 1925 in zwei Grabungskampagnen eine gezielte Kastellsuche vorzunehmen. Dabei gelang es ihm, mit insgesamt 37 Sondierungsschnitten die Umwehrung des Lagers sowie die Lage des West- und des Osttores zu bestimmen. Ein weiterer Suchschnitt im Kastellzentrum blieb ohne Befund.

1972 wurden bei der Erschließung des Gewerbegebiets „Kientenstraße“ am Ortsrand von Ebingen römische Siedlungsreste entdeckt, die möglicherweise mit einem weiteren, auf diesem Gebiet vermuteten Kastell oder einer Zivilsiedlung  in Zusammenhang stehen. Systematische archäologische Grabungen blieben jedoch aus, es wurde lediglich eine baubegleitende Notgrabung durchgeführt.

Kastell

Die Kastellgrabungen von Gerhard Bersu  sind die bislang einzigen systematischen Untersuchungen des Militärlagers. Hierbei wurde ein leicht trapezförmiges Lager festgestellt, das mit seinen Abmessungen von 248/254 m × 264/273 m eine Fläche von rund 6,7 Hektar bedeckt. Das Kastell war von einem einzigen umlaufenden Spitzgraben umgeben, der eine durchschnittliche Breite von 2,5 m und eine erhaltene Resttiefe von 1,75 m aufweist. An der im Gelände tiefsten Stelle des Grabens, der Südostecke des Lagers, war der Graben zweimal erneuert worden.

An der westlichen und östlichen Seite des Lagers setzte der Grabenverlauf für einige Meter aus, hier führten Erdbrücken ins Lagerinnere. Über die Umwehrung können beim gegenwärtigen Stand der Forschungen keine gesicherten Aussagen getroffen werden. Die wenigen festgestellten Pfostensetzungen könnten sowohl auf hölzerne Wachtürme als auch auf eine Holz-Erde-Mauer[13] hinweisen. Ein von Bersu im Zentrum des Kastells angelegter Sondierungsschnitt von 20 m Länge förderte weder Bauspuren noch Funde oder Kulturschichten zu Tage.

Gesichert ist, dass kein Umbau zu einem Steinkastell erfolgt ist. Dies und das spärliche Fundaufkommen sprechen für eine nur vorübergehende Nutzung des Kastells. Vermutlich wurde es in spätvespasianischer Zeit oder unter Titus oder in frühdomitianischer Zeit, um das Jahr 80 n. Chr., errichtet und schon nach kurzer Zeit, spätestens zu Beginn der Regierungszeit des Domitian wieder verlassen.

Die Größe des Kastells übertrifft mit 6,7 ha alle anderen Auxiliarlager dieser Zeitstellung im südwestdeutschen Raum und fällt deutlich aus dem Schema der gängigen Kastellgrößen, mit dem sich die Lager normalerweise bestimmten Auxiliareinheiten zuordnen lassen. Wieder lassen die schwachen Befunde und spärlichen Funde Raum für Spekulationen. Denkbar ist die Belegung mit einer Ala milliaria oder mit zwei Kohorten, genauso wie die Belegung mit einer größeren Legionsvexillation oder einer kombinierten Einheit aus Legionsvexillation und Auxiliartruppen. Der Fund des Bronzelots einer Groma spricht zwar möglicherweise aufgrund des eingeritzten, nicht römischen Namens CANDIDI ELI (‚Eigentum des Candidus Elus‘) für die Anwesenheit von Auxiliartruppen, aber wirklich gesichert ist dieser Zusammenhang nicht.

Siedlungsspuren im unmittelbaren Kastellbereich

In nur rund 20 bis 25 m Entfernung nördlich des Kastells befand sich eine Gruppe von Steingebäuden, von der sich auch der Flurname „Steinhaus“ herleitet. Ob hier eine Benefiziarierstation oder eine Villa rustica angesiedelt war, ist beim gegenwärtigen Kenntnisstand noch ungeklärt, zumal völlig offen ist, ob es sich bei dem Befund, der sich mit Unterbrechungen über gut 125 m in nördliche Richtung hangaufwärts erstreckt, um einen zusammenhängenden Baukomplex oder verschiedene einzelne Bauwerke unterschiedlicher Bestimmung handelt. Definitiv ausgeschlossen wird die Existenz eines größeren, zusammenhängenden Vicus. Schon vor dem Hintergrund der nur kurzen Nutzungszeit des Kastells scheint ein solches Lagerdorf mehr als unwahrscheinlich.

Siedlungsspuren auf dem Gebiet von Ebingen

Auf dem Gebiet des Albstädter Stadtteils Ebingen sind einige römische Fundstellen bekannt. Diese stehen jedoch in keinem Zusammenhang mit dem Lautlinger Kastell, sondern weisen auf eine eigenständige Siedlung hin, die, wie gelegentlich in der Literatur gemutmaßt wird, möglicherweise zu einem in diesem Bereich befindlichen, bisher unentdeckten zweiten Kastell gehört.

Die Fundstellen – so zahlreich sie auch sein mögen – sind weiträumig über das Stadtgebiet verteilt und nicht alle sonderlich aussagekräftig, so dass sich bis heute kein endgültiges Bild von Zeitstellung und Struktur der Siedlung abzeichnet. Nennenswert sind die Fundplätze am „Kientenweg“ mit einem hohen Fundaufkommen an datierbarer Keramik – insbesondere an reliefverzierter und flacher Sigillata sowie hochwertiger Terra Nigra – die in die Zeit zwischen 80 und 125 n. Chr. verweist.[17]

Ebenfalls aus der Zeit um oder kurz nach der Jahrhundertwende stammt eine dem Trajan (98–117) gewidmete Ehreninschrift  auf einer Sandsteinplatte, die mit weiterem datierbarem Material  im Keller des Hauses einer aus insgesamt fünf Häusern bestehenden Gebäudegruppe im Bereich „Bitzergasse“ gefunden wurde.

Nicht zuletzt wurde bereits um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in einem Bereich an der östlichen Talseite der Schmiecha, unterhalb des „Schlossfelsens“, bei Bahnbauarbeiten ein Töpferofen freigelegt. In unmittelbarer Nähe dieser Produktionsstätte sind der Schmiechaübergang der römischen Fernstraße nach Laiz sowie die Abzweigung zum Kastell Burladingen zu vermuten.

Ebingen, Baden-Württemberg, DE
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Amstetten Mansio

http://www.gew-bw.de/Archaeologische_Fahrt_07.html

 

Amstetten, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Burladingen Kastell

Kastell Burladingen

Das Kastellareal befindet sich etwa zwei Kilometer westlich des Burladinger Ortszentrums unter den Äckern eines „Kleineschle“ genannten Nordhangs unmittelbar südlich der heutigen Bundesstraße 32.

In römischer Zeit lag das Militärlager hier in verkehrsgeographisch und strategisch günstiger Position und wahrscheinlich in unmittelbarer Nähe der heute in ihrem Verlauf nicht mehr präzise nachzuvollziehenden Grenze zwischen den römischen Provinzen Raetia, zu der es selbst gehörte, und Germania superior.
Das Kastell Burladingen war Bestandteil des Alblimes, einer römischen Grenzlinie des späten 1. Jahrhunderts n. Chr., die sich über eine Länge von knapp 135 Kilometern von Arae Flaviae (Rottweil) im Südwesten bis Aquileia (Heidenheim an der Brenz) im Nordosten auf der Schwäbischen Alb erstreckte. Zusammen mit den weiteren Lagern dieser Kastellkette (Kastell Lautlingen, Kastell Gomadingen, Kastell Urspring, Kastell Heidenheim, Kastell Oberdorf) bildete die Garnison von Burladingen hier für etwa zwei Jahrzehnte die Nordgrenze der Provinz Raetien, nachdem der Limes in diesem Bereich von der älteren Donaulinie auf die Schwäbische Alb vorgeschoben worden war. Wie fast alle Kastelle des Alblimes befand sich auch die Fortifikation von Burladingen auf einer Wasserscheide, die hier zwischen der Starzel (Flusssystem Rhein) und der Fehla (Flusssystem Donau) verläuft.

Im Dezember 2006 wurde ein Marschlager in unmittelbarer Nähe zum Kastell gefunden. Es liegt in ebenem Gelände nördlich der B 32, im Gewann „Schlichte“.

Bereits 1893/94 waren römische Siedlungsreste durch den Sigmaringer Archivdirektor Karl Theodor Ziegler entdeckt worden, der archäologische Nachweis des Kastells gelang jedoch erst Gerhard Bersu durch zwei Grabungen 1912 und 1914.

Weiter Untersuchungen durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg erfolgten 1974 und dann verstärkt in den 1980er und 1990er Jahren. In den Jahren 1984/85 zeigten sich auf Luftbildaufnahmen die Ost-, Sü- und Westmauer des Kastells. In der Südmauer wurde eine Toranlage sichtbar. Spuren einer älteren Doppelpfostenreihe entlang der Süd- und Ostmauer waren deutlich erkennbar. Das Stabsgebäude (principia) in der Mitte zeichnete sich nur leicht ab. Die zum Teil durch Baumaßnahmen bedingt als Not- und Rettungsgrabung stattfindenden Arbeiten sind bis heute nicht abgeschlossen und führten bisher unter anderem zur Bauphasendifferenzierung innerhalb des Lagers sowie zur Aufdeckung einer Benefiziarierstation.

Bei einer geophysikalischen Prospektion im Auftrag des Regierungspräsidiums Tübingen (Archäologische Denkmalpflege) wurde im Dezember 2006 ein unbekanntes römisches Marschlager entdeckt.

Befunde und Geschichte

Bislang konnten eine Holzbau- und eine Steinbauphase differenziert werden. Das Holzkastell entstand in flavischer Zeit vermutlich um das Jahr 80 n. Chr. (zur Datierungsdiskussion siehe weiter unten: Datierungsproblematik), hatte einen quadratischen Umriss von 137 Metern Seitenlänge und nahm somit eine Fläche von knapp 1,9 Hektar ein. Umgeben war es von zwei Spitzgräben. Die Wehrmauer selbst bestand aus einer Holz-Erde-Konstruktion. Jeweils zwei Flankentürme an den vier Toren konnten nachgewiesen werden, nicht hingegen die Existenz von Eck- und Zwischentürmen.

Um das Jahr 90 wurde das Kastell teilweise in Stein ausgebaut und geringfügig auf eine Seitenlänge von 140 Metern, entsprechend 1,96 Hektar, vergrößert. Hierbei wurde der Doppelgraben durch einen einfachen Graben ersetzt. Von den Innenbauten sind die Principia (Stabsgebäude) und einige Mannschaftsbaracken, die bereits in der Holzbauphase bestanden und keinen Steinausbau erfuhren, eindeutig identifiziert worden. Weitere Gebäude wurden angeschnitten, können aber nicht mit Sicherheit bestimmten Funktionen zugewiesen werden. Aufgrund des Vergleiches mit Kastellen gleichen Bautyps und gleicher Zeitstellung können bei den unsicheren Befunden aber das Praetorium (Kommandantenwohnhaus) sowie – mit Abstrichen – ein Horreum (Getreidespeicher) und das Valetudinarium (Lazarett) als möglich angenommen werden.

Das Kastell war mit seiner Prätorialfront nach Nordwesten hin ausgerichtet, wo auch heute noch eine Straßen- und eine Bahntrasse die natürliche Senke als Pass nutzen. Die Überwachung dieses Passes sowie der sich im Vicusbereich kreuzenden Straßenverbindungen dürfte zu den Obliegenheiten der Besatzung gehört haben. Hier zweigte von der über den Pass führenden, vom Kastell Sulz über Lautlingen hierhin und weiter über das Kastell Gomadingen letztlich bis Oberdorf/Ipf verlaufenden Alblimesstraße eine Verbindung nach Süden zum Kastell Ennetach ab. Eine weitere Verbindung durch das Killertal zur Arae Flaviae (Rottweil) gilt als wahrscheinlich, konnte aber bislang ebenso wenig archäologisch nachgewiesen werden wie ein möglicher Limesübergang.

Aufgrund der Größe des Kastells kann eine Kohorte, eine Infanterieeinheit von rund 500 Mann Stärke, als Besatzung angenommen werden. Weitere Einzelheiten über die Garnison sind nicht bekannt.

Sein Ende dürfte das Kastell ausweislich einer mächtigen Brandschicht in trajanischer  Zeit gefunden haben, ob durch ein lokales Schadensfeuer oder ein historisches Ereignis, ist bislang ungeklärt.

Datierungsproblematik

Die Diskussion zur genauen Datierung des Alblimes und seiner Kastelle ist derzeit noch nicht abgeschlossen. Es scheint gesichert, dass in vespasianischer Zeit, um 73/74 n. Chr., unter dem Statthalter der Provinz Raetien mit dem Ausbau des Alblimes begonnen wurde, es scheint ebenfalls gesichert, dass der Ausbau zu Beginn der domitianischen Offensive gegen die Chatten im Jahre 83 n. Chr. noch nicht beendet war. Insgesamt muss also davon ausgegangen werden, dass sich der Ausbau der gesamten Strecke möglicherweise über mehrere Jahre, nämlich den Zeitraum zwischen 73 und 84 hinzog. Die zeitliche Zuweisung der einzelnen Kastelle gestaltet sich aufgrund fehlender Ausgrabungen und geringen Fundaufkommens recht schwierig.
Wie der Anfang, so ist auch das Ende des Alblimes nicht völlig geklärt. Ein Teil der Kastelle wird sicherlich unmittelbar im Anschluss an den frühtrajanischen Ausbau des Neckar-Odenwald-Limes um 98 n. Chr. seine Funktion verloren haben, andere Kastelle mögen noch weiterhin als logistische Basis im Hinterland gedient haben. Im Allgemeinen wird für den westlichen Teil zwischen Rottweil und dem Kastell Donnstetten ein recht frühes Ende angenommen, während die weiter östlich gelegenen Lager noch bis weit in das erste Viertel des zweiten Jahrhunderts hinein existiert haben sollen. Das von Gerhard Bersu mit 110 n. Chr. angenommene Ende des Kastells Burladingen ist bislang weder schlagend bewiesen noch widerlegt.

Marschlager

Nördlich des römischen Kastells aus dem 1. Jahrhundert wurde im Dezember 2006 eine weitere Anlage entdeckt. Der erste Befund weist auf ein Marschlager hin, das vermutlich nach der Fertigstellung des eigentlichen Kastells aufgegeben wurde.

Das Marschlager weist eine nahezu quadratische Grabenanlage mit Seitenlängen von rund 160 Metern auf. Auf jeder Seite war der etwa zwei Meter breite Graben auf einer Länge von neun Metern unterbrochen, hier standen vermutlich die Kastelltore, die durch ein vorgelegtes, 8,5 m langes Grabenstück zusätzlich geschützt waren. Die Innenbebauung des Marschlagers ist noch unbekannt, Steinbauten befanden sich jedoch nicht auf dem Gelände.

Bei dem neu entdeckten Kastell handelt es sich allem Anschein nach um ein mit Wall, Palisaden und Wehrgraben befestigtes Marschlager, in dem Soldaten untergebracht waren, die das reguläre, unmittelbar südlich des Marschlagers gelegenes Kastell errichtet haben.

Lagerdorf

Wie an den meisten römischen Garnisonsstandorten entwickelte sich auch in Burladingen ein Lagerdorf (Vicus), in dem sich zunächst die Angehörigen der Soldaten, sowie Händler, Handwerker und Gastwirte niederließen. Der Beginn des Burladinger Vicus erfolgte unmittelbar nach der Errichtung des Kastells, um das Jahr 80. Er entwickelte sich hauptsächlich östlich des Lagers längs der Ausfallstraße nach Gomadingen, wo seine Ausdehnung auf einer Länge von 750 m nachgewiesen werden konnte.

Der Burladinger Vicus weist insgesamt vier Bauphasen auf, drei Holzbauphasen und eine Steinbauphase. Die drei Holzbauphasen sind aufgrund des geringen Fundaufkommens zeitlich nicht präzise voneinander abzugrenzen, die Steinbauphase kann für die Mitte des 2. Jahrhunderts angenommen werden. Die Bebauung bestand größtenteils aus Streifenhäusern, die sich mit ihren Giebeln und Portiken zur Straße hin orientierten.

Am östlichen Rande des Vicus konnte ein Töpfereibetrieb nachgewiesen werden, des Weiteren zwei größere Steinbauten unbestimmter Funktion, die möglicherweise kultischen Zwecken gedient haben könnten. Am südlichen Rand des Lagerdorfes befand sich eine Villa Rustica mit mindestens zwei Steingebäuden.

Der Burladinger Vicus überdauerte das Ende des Kastells und dürfte bis in Zeit der innen- und außenpolitischen sowie wirtschaftlichen Krise des Imperiums um die Mitte des 3. Jahrhunderts, längstens bis in die Zeit des sogenannten Limesfalls 259/260 bestanden haben.

Die ursprünglich als Grabungsschutzfläche ausgewiesene Siedlung wurde von der Stadtverwaltung Burladingen nach Verhandlungen mit dem Tübinger Regierungspräsidium im Frühjahr 2012 in ein Gewerbegebiet umgewandelt. Der Vicus wird damit einer westlichen Erweiterung des Gewerbegebiets Kleineschle weichen.

Benefiziarierstation und Mansio

Nur rund 200 m westlich des Kastells konnte 1983 durch Luftbildprospektion eine Benefiziarierstation nachgewiesen und 1984 archäologisch untersucht werden. Die Benefiziarier waren eine Art Straßenpolizei mit Zollbefugnissen. Das Gebäude von Burladingen weist mehrere Bauphasen auf und besaß in seinem letzten Bauzustand eine Fläche von rund 600 m². Es war teilweise mit einer Hypokaustanlage ausgestattet und dürfte neben seiner Funktion als Polizeistation auch als Rasthaus und Pferdewechselstation (Mansio) gedient haben. Ausweislich des recht geringen Fundmaterials dürfte die Station von etwa 80 bis 260 n. Chr. bestanden haben.

 

Burladingen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Deggingen - Kastell

Kastell Deggingen

Das nördlich der von Aufhausen nach Bad Ditzenbach führenden Straße, unweit des heutigen Weilers „Schonderhöhe“ liegende Kastell diente in der Antike vermutlich als Flankenschutz im Vorfeld des Alblimes, der hier eine ziemlich tiefe Einbuchtung aufwies, und ist möglicherweise ein Hinweis auf die Bedeutung von Clarenna (Donnstetten) in römischer Zeit. Das Kastell Deggingen könnte außerdem zumindest teilweise erklären, wieso die Römerstraße von Grinario (Köngen am Neckar) nach Donnstetten außerhalb des Lautertal-Limes (also aus römischer Sicht in Feindesland) verlaufen konnte.

Das Militärlager lag strategisch günstig auf der Albhochfläche. So konnten das Obere Filstal sowie die römischen Straßen in diesem Gebiet überwacht werden.

Im Sommer 1976 wurde durch eine archäologische Luftbildprospektion ein viereckiges Bewuchsmerkmal entdeckt. Erst Ende der 1990er Jahre wurden diese Spuren als römisches Kastell identifiziert. Ein 2002 gefundener Denar des Trajan stellt nur einen Einzelfund außerhalb des Befundzusammenhangs dar und kann so zu einer präziseren zeitlichen Zuordnung des Lagers nur wenig beitragen.[1] Archäologische Ausgrabungen, die Informationen über die Zeitstellung liefern könnten, blieben bisher aus. Durch geomagnetische Prospektion konnte nur die Umwehrung erfasst werden, doch besitzen die in der Frühzeit dieser Methode erfassten Daten eine zu geringe Auflösung, um Details erkennen zu können.

Im Umfeld wurden weitere römische Reste festgestellt, die aber möglicherweise nicht zum Kastell, sondern einer jüngeren Zivilbesiedlung gehören

Über Anfangs- und Enddatierung des Kastells können zum gegenwärtigen Stand der Forschungen keine gesicherten Aussagen getroffen werden. Wenn man von einer Zugehörigkeit zum Alblimes ausgeht, unterliegt es der in dessen Zusammenhang diskutierten Datierungsproblematik.[2]
Vgl. auch separaten Artikel Alblimes.

Das Kastell bei Deggingen, mit seinen Seitenlängen von nur etwa 60 m mal 70 m und einer Fläche von rund 0,4 ha, weist eine umlaufende Grabenanlage mit abgerundeten Ecken auf. Es besitzt zwei gegenüberliegende Toranlagen. Von der Größe her bot es Platz für einen Numerus oder eine so genannte Vexillation, ein Detachement in der Größe etwa einer Zenturie.

Aussagen über eine mögliche Innenbebauung können erst nach einer geophysikalischen Prospektion oder einer archäologischen Ausgrabung getroffen werden.

Deggingen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Dettingen/Teck-Kleinkastell

Das Kastell Dettingen liegt in den Niederungen des Lautertals, circa 100 m östlich der heutigen Bundesstraße 465 zwischen Dettingen und Owen unter Teck im Gewann „Bodenäcker“ und „Heufach“.

In antiker Zeit diente es dem direkten Schutz des so genannten „Lautertal-Limes“, einer verbindenden Grenzsicherung zwischen dem „Obergermanisch-Raetischen Limes“ im Norden und dem „Alblimes“ im Süden. Dieser verlief als Palisadenkonstruktion zwischen dem an seinem nördlichen Ende gelegenen Grinario (Köngen) und dem am südlichen Ende befindlichen Clarenna (Donnstetten). Zusätzlich zur Palisade war er durch zwei vorgelagerte Spitzgräben gesichert.

Im trockenen Sommer 1976 entdeckte man durch eine von Alfred Brugger vorgenommene luftbildarchäologische Prospektion der so genannten Sibyllenspur das Kleinkastell bei Dettingen. Die Luftbildaufnahmen wurden durch den damaligen archäologischen Denkmalpfleger im Regierungsbezirk Stuttgart, Dieter Planck, ausgewertet und bestätigt. Die nachfolgenden archäologischen Ausgrabungen des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg im Jahre 1982 zeigten, dass es sich bei dem Befund um ein römisches Militärlager und bei der Sibyllenspur um einen Limes handelt, den so genannten Lautertal-Limes.

Kastell Dettingen/Teck

Das Kastell von Dettingen unter Teck war zu allen Seiten von einem umlaufenden 2 bis 2,2 m breiten Spitzgraben umgeben, von dem infolge der nachkastellzeitlichen, bis in die heutige Zeit andauernden agrarischen Nutzung des Geländes nur noch eine Resttiefe von 0,7 m erhalten war. Vier Pfostengruben auf der Innenseite lassen eine dahinter liegende Holz-Erde-Mauer vermuten. Das römische Lager gehört mit seinen Abmessungen von 60 m mal 60 m (= 0,36 ha) zur Gruppe der so genannten Numeruskastelle. Wie fast alle Militärlager dieser Fortifikationsgröße bot das Lager Platz für eine Besatzung von 80 bis 100 Mann, einen Numerus oder eine vergleichbar große Vexillation als Detachement einer größeren Auxiliareinheit. Einzelheiten über die hier stationierte Truppe sind aber ebenso wenig bekannt wie Details der Lagerinnenbebauung.

Die Datierung erfolgte über die Scherben von Terra Sigillata-Schüsseln und -Tellern, durch die das Kastell dem Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. zugeordnet werden konnte. Möglicherweise wurde es bereits in domitianischer Zeit, um die Jahre 85 bis 90 n. Chr., errichtet. Es hatte bis in die Mitte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts, um die Jahre 150/160, Bestand.

Owen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Donstetten - Kastell

Kastell Donstetten

Das Kastell befindet sich auf dem „Hasenhäuslesberg“, einer rund 500 Meter südlich von Donnstetten gelegenen Erhebung. Nördlich, in Richtung des heutigen Ortszentrums, fällt der „Hasenhäuslesberg“ steil in einen Maarkessel ab.

In antiker Zeit lag das Lager hier in verkehrsgeographisch und strategisch bedeutsamer Position. Es bildete mit einer Kette von weiteren Kastellen den „Alblimes“, eine zwischenzeitlichen Grenzsicherung der römischen Provinz Raetia vor dem endgültigen Ausbau des Raetischen Limes.
Die „Alblimesstraße“ verlief in diesem Abschnitt vom etwa 20 km westsüdwestlich entfernten Kastell Gomadingen kommend über Münsingen in Richtung Donnstetten und führte von hier aus weiter über Nellingen zum östlich gelegenen Ad Lunam, dem Kastell Urspring. Östlich von Clarenna und südlich von Nellingen ist der hier „Hochsträß“ genannte Straßenkörper sehr gut im Gelände zu erkennen und wird noch heute als Weg benutzt.

Eine weitere Straße mündete von Nordnordost, aus Grinario, dem Kastell Köngen, kommend und durch das Lautertal über Dettingen führend, bei Clarenna in die Alblimesstraße ein. Sie war bis Donnstetten durch den so genannten Lautertal-Limes, auch Sybillenspur genannt, gesichert und stellte vermutlich zumindest zeitweise ein Teilstück der so genannten Ost-Magistrale dar, die von Noviomagus (Speyer) nach Ponione (Kastell Faimingen) führte. Die Überwachung dieses neuralgischen Straßenknotenpunkts gehörte vermutlich zu den Aufgaben der Kastellbesatzung.

Schon in den Jahren zwischen 1891 und 1904 wurden im Gebiet von Donnstetten immer wieder kleinere Sondierungsgrabungen durchgeführt. Hierbei konnte jedoch nur die zivile Siedlung lokalisiert sowie, insbesondere durch die Sondierungen des Donnstettener Pfarrers Gußmann, eine weitere römische Fundstelle auf dem „Hasenhäuslesberg“ festgestellt, aber noch nicht als das gesuchte Kastell identifiziert werden.

Erst durch archäologische Luftbildprospektionen gelang es Philipp Filtzinger und Walter Sölter schließlich 1975, das schon 1907 von Robert Knorr postulierte Kastell zu lokalisieren. Weitere Grabungen fanden nicht statt, so dass sich der heutige Wissensstand im Wesentlichen auf die älteren Sondierungen und die Luftaufnahmen stützt.

Die Identität des Fundortes mit dem auf der Tabula Peutingeriana verzeichneten Clarenna ist sehr wahrscheinlich, aber mangels inschriftlicher Belege nicht gänzlich gesichert.

Das Kastell von Donnstetten war an drei Seiten von zwei umlaufenden Spitzgräben umgeben. An der Nordseite setzte die Grabenumwehrung aus, da das hier steil abfallende Gelände ein natürliches Annäherungshindernis darstellte. Eine dahinter liegende Holz-Erde-Mauer kann angenommen werden, ist aber archäologisch nicht nachgewiesen. Das Lager gehört mit seinen Abmessungen von 50  × 60 m (= 0,3 ha) zu den so genannten Numeruskastellen. Wie fast alle Kastelle dieser Fortifikationsgröße bot es Platz für eine Besatzung von 80 bis 100 Mann, einen Numerus oder eine vergleichbar große Vexillation als Detachement einer größeren Auxiliareinheit. Einzelheiten über die hier stationierte Truppe sind aber ebenso wenig bekannt wie Details der Lagerinnenbebauung.

Die Datierung des Donnstettener Militärlagers ist bislang noch nicht gesichert. Möglicherweise wurde es in domitianischer Zeit, um die Jahre 85 bis 90 n. Chr., errichtet. Es könnte bis in die Mitte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts, um die Jahre 150/160, Bestand gehabt haben.

Aufgrund der geringen Größe der Fortifikation, der relativ großen Entfernung zum Vicus, des im Verhältnis zur anzunehmenden Mannschaftsstärke überdimensionierten Kastellbades (vgl. weiter unten) sowie des Umstands der relativ isolierten Lage einer solch schwachen Einheit wurde gelegentlich in der Literatur die Vermutung geäußert, dass sich im näheren Umfeld des Numeruskastells noch ein zweites Lager befunden haben könnte.  Der entsprechende archäologische Nachweis hierfür konnte aber bislang nicht erbracht werden.

Der Vicus von Clarenna, die bei nahezu jedem römischen Militärlager anzutreffende Zivilsiedlung, in der sich Angehörige der Militärs, Händler, Handwerker, Gastwirte und andere Dienstleister niederließen, befand sich rund 500 m nördlich des Kastells, am östlichen Rande der heutigen Ortschaft in der Flur „Hinter dem Flecken“. Er entstand vermutlich um 85/90 n. Chr., etwa zeitgleich mit der Errichtung des Kastells. Ausweislich der Streufunde ist von einer Ausdehnung des Vicus von maximal 350 m in westöstlicher und maximal 150 m in nordsüdlicher Richtung auszugehen. Bislang konnte nur ein Brunnen und das Badegebäude nachgewiesen werden.

Das Badegebäude, wenngleich schon in den Jahren 1903/1904 durch den ortsansässigen Pfarrer Dreher ergraben, wurde erst 1931 durch Oscar Paret als Therme identifiziert. Das mit seinen Abmessungen von 34 m mal 31 m auffällig große Gebäude weist mehrere Bauphasen auf, in denen es teilweise grundlegend umgestaltet wurde. Drei seiner Räume waren mit einer Hypokaustanlage ausgestattet. Möglicherweise wurde es zu einem nicht datierbaren Zeitpunkt seiner späteren Baugeschichte verkleinert und in den Gebäudekomplex einer Mansio oder Benefiziarierstation integriert.

Der Vicus überdauerte das Ende des Kastells um rund 100 Jahre und dürfte bis in die Zeit der innen- und außenpolitischen sowie wirtschaftlichen Krise des Imperiums um die Mitte des 3. Jahrhunderts, längstens bis 259/260, bestanden haben.

 

Donnstetten, Reutlingen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Döttenbichl - Römisches Schlachtfeld

Lange galt der Döttenbichl als Schauplatz der ersten römisch-rätischen Schlacht auf bayrischem Boden des Alpenfeldzugs des Drusus & Tiberius 15 v.Chr. Hunderte von Sandalennägeln und Pfeilspitzen sowie Pugio-Dolche, Pila-Wurfspieße und leichte Katapultmunition deuten auf Gefechtsaktivitäten römischer Legionäre hin. Berühmt sind insbesondere der Silberdolch mit dem Namen C. ANTONIVS FECIT und die Katapultspitze der LEG XIX (die 9 n.Chr. in der Varusschlacht aufgerieben und nie wieder aufgestellt wurde). Vor Ort fällt auch heute noch sofort die besondere strategische Lage in diesem Engpass zwischen Ettal und Oberammergau auf!

Neuere Funde zeigen, dass der Döttenbichl von etwa 100 v.Chr. bis 50 n.Chr. ein keltischer Kultplatz war (vor Ort reicht ein Blick zum Kofel um zu erkennen warum), es wurden hunderte weiterer keltischer Funde wie Fiebeln, Messer usw. gemacht. Somit wäre es möglich, dass das Gefecht nicht direkt hier sondern in der Nähe stattgefunden hat und die römischen Gegenstände erst später als Lesefunde hier von den Rätern 'geopfert' wurden.

Meines Erachtens spricht der keltische Kultplatz nicht gegen ein Gefecht vor Ort, im Gegenteil der Kultplatz könne die Erklärung sein, warum die Römer so weit von ihrer Hauptroute über Garmisch-Partenkirchen abgewichen sind. Ggf. war der Döttenbichl ein strategisches Ziel als 'Strafaktion' oder 'Überlegenheitsdemonstration' gegen die wiederständischen Räter? (Achtung: Privatmeinung ohne Beleg!)

Vor Ort gibt es einen kleinen Rundweg mit ein paar Infotafeln (den man sehr gut mit dem 'Grottenweg' kombinieren kann, der auch auf vorgeschichtliche, keltische und mittelalterliche Steinritzungen aufmerksam macht). Für weitergehende Infomationen und die Besichtigung der Funde sei ein Besuch im Museum Oberammergau empfohlen.

 

Oberammergau, FREE STATE OF BAVARIA, DE
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Eislingen - Kastell

Kastell Eislingen

Das Kastell Eislingen-Salach liegt heute als oberirdisch nicht sichtbares Bodendenkmal unter den landwirtschaftlich genutzten Flächen im Gewann „Steiniger Esch“ rund 1,7 Kilometer östlich von Eislingen auf der Markungsgrenze mit Salach nördlich der Fils. Ein Großteil des Kastellbereichs befindet sich nordöstlich der Landesstraße 1219 („Salacher Straße“/„Eislinger Straße“), die hier Eislingen mit Salach verbindet, kurz vor dem Gewerbegebiet „Steiniger Esch“ von Salach. Das Areal zeigt sich in seiner südlichen Ecke von der L 1219 und von Hochbauten auf dem Flurstück 1104/1 der Gemeinde Salach überbaut.

In der Antike lag das Filstal im Machtbereich des Imperium Romanum. Das Kastell war dem Alblimes vorgelagert und befand sich im damals wohl noch nicht besetzten Gebiet und gehörte wohl zu einer Reihe von Erdkastellen entlang des mittleren Neckars.

Das Kastell markierte wohl auch die Grenze zwischen den römischen Provinzen Raetia und Germania superior, deren exakter Nord-Süd-Verlauf im Raum Eislingen unbekannt ist. Es ist bislang unbekannt, welcher Provinz es zugehörte, welche Einheit dort lag und wie sein lateinischer Name war.

Bei Eislingen gabelt sich wohl eine Römerstraße in Richtung Heidenheim und in Richtung Urspring.

Im Jahr 1951 stieß man bei Kanalisationsarbeiten an der unteren „Stuttgarter Straße“ bei der ehemaligen Textilmaschinenfabrik Scheller in Eislingen in rund 1,7 m Tiefe auf eine Römerstraße, diese gilt als Nachweis für eine Verbindungsstraße nach Urspring.

Im Jahr 1966 wurde auf einer Luftbildaufnahme des Luftbildarchäologen Albrecht Brugger aus Stuttgart-Echterdingen im Getreidebewuchs der Grabenverlauf eines bisher unbekannten römischen Kastells entdeckt. Der Luftbildarchäologe Otto Braasch, der es als seine Aufgabe ansieht, schon bekannte Bodendenkmale weiter zu erkunden, konnte bei einem Prospektionsflug im Jahr 1989 zahlreiche hölzerne Innenbauten und eine massive Umwehrung mit Tor und Zwischentürmen nachweisen.

Ein jüngst (2008) geplanter Trassenverlauf der „Nord-West-Umfahrung“ von Salach, die zum Teil auf Eislinger Markung gebaut werden soll, tangiert das Bodendenkmal „Römisches Kastell“.  Eine Sicherung steht noch aus.

Dietwulf Baatz vermutet, dass das Kastell Eislingen-Salach zur Zeit Kaiser Hadrians (117−138), wohl um 125 n. Chr., zeitgleich mit der neuen, weiter nach Norden vorgeschobenen Limesstraße entstand. Diese lief nunmehr von Köngen durch das Filstal über Eislingen-Salach nach Heidenheim.

Aufgrund seiner geographischen Lage gehört es zweifellos in die Frühzeit der römischen Besetzung des mittleren Neckarlandes und bildete laut Dieter Planck wohl in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts den Ersatz für die frühere Grenzziehung des Lautertal-Limes (die sog. Sibyllenspur), der zwischen Köngen (Grinario) und Donnstetten (Clarenna) den Neckar- mit dem Alblimes verband. Es stellt vermutlich die Verbindung mit dem östlichen Teil des Alblimes nach der Auflösung der Garnisonen Dornstetten, Urspringen und Heidenheim dar.

Das Kastell bestand vermutlich nicht länger als bis zur Verlegung des Limes vom Filstal in das Remstal um das Jahr 159 n. Chr., und wurde möglicherweise vom Kastell Schirenhof ersetzt.

Nach dem Befund kleinerer Untersuchungen war es ein reines Holz-Erde-Kastell mit fast rechteckigem Grundriss, das nie in Stein ausgebaut wurde, was klar für eine kurze Nutzungsdauer spricht. Es war zu allen Seiten von einem umlaufenden fünf bis sechs Meter breiten Graben und vier Toren umgeben. Die etwa trapezförmige Anlage weist eine Innenfläche von rund 2,2 ha auf, was als normale Kastellgröße für eine unbekannte Kohorte gilt. Es konnten kaum Funde geborgen worden; die Bestimmung seiner Zeitstellung ist daher schwierig und kann nur vermutet werden. Zu den Fundstücken zählt das Oberteil eines Einhenkelkruges aus dem Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr.

Eislingen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Geislingen-Häsenbühl - Kastell

Kastell Geislingen/Häsenbühl

Lage

Das Kastell liegt unter den Äckern einer Hochfläche des Kleinen Heubergs, am Fuße des „Häsenbühl“ zwischen den heutigen Ortschaften Geislingen und dem Rosenfelder Ortsteil Isingen in den Fluren „Heuberg“, „Kurze Schlichte“, „Lange Schlichte“ und „Mohnlen“. Die von Geislingen nach Isingen führende Straße durchschneidet das Kastellareal etwa einen halben Kilometer östlich des „Häsenbühlhofes“.

In antiker Zeit befand sich das Lager in einer strategisch und verkehrsgeographisch günstigen Position. Die Lage gewährt einen weit reichenden Rundumblick, der im Süden bis zu den Kuppen der Hochalb reicht und lediglich im Westen durch den „Häsenbühl“ ein wenig eingeschränkt ist. Die Wasserversorgung war durch zwei, maximal 200 m entfernte Quellen gewährleistet.

Im Kastellbereich kreuzten sich aus vier Richtungen kommende römische Straßen. Eine von Nordosten nach Südwesten führende Trasse verband Sumelocenna (Rottenburg am Neckar) mit dem Municipium Arae Flaviae (Rottweil) und eine von Nordwest nach Südost verlaufende Verkehrsachse stellte die Verbindung zwischen dem Kastell Sulz, einer Fortifikation der Neckarlinie des Neckar-Odenwald-Limes, und dem zum Alblimes zählenden Kastell Lautlingen her.

Forschungsgeschichte

Als größere Siedlungsstelle mit möglicherweise militärischen Befunden war das Gebiet um den „Häsenbühl“ bereits seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt. Schon 1877 waren Münzfunde und Mauerbefunde aus diesem Bereich gemeldet worden. Ebenfalls Gemäuerbefunde wurden 1901/02 durch Eugen Nägele festgestellt. Nach weiteren Funden und Befunden, die 1910 bei der Anlage von Leitungsgräben gemacht worden waren, äußerte Robert Knorr erstmals die Vermutung eines römischen Kastells.

Auf Grundlage dieser Vermutung und weiterer Funde des Jahres 1922 wurde 1925 durch das Württembergische Landesamt für Denkmalpflege erstmals eine systematische Suche nach dem vermuteten Kastell durchgeführt. Sowohl diese Ausgrabung, als auch eine weitere, baubegleitende Untersuchung im Herbst 1927, die von Oscar Paret geleitet wurde und bei der die Fluren „Heuberg“, „Kurze Schlichte“, „Lange Schlichte“ und „Mohnlen“ mit einem dichten Netz von Drainagegräben überzogen wurden, erbrachten zwar neuerliche Erkenntnisse über die zivile Siedlung, das Kastell entzog sich aber weiterhin dem Zugriff der Archäologen.

In der Nachkriegszeit sah es zunächst nicht wesentlich anders aus, bis der Luftbildarchäologe Rolf Gensheimer 1986 das Kastell vom Flugzeug aus lokalisieren konnte. Durch anschließende Sondierungsbohrungen gelang es, die Umrisse des Lagers näher zu bestimmen.

Die oberirdisch nicht mehr sichtbare antike Garnison befindet sich unter vor Überbauung weitgehend geschützten und nur durch die Verkehrsstraße gestörten, landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ein mit einer Gedenktafel versehener Fundamentblock erinnert an das Monument.

Kastellbefunde

Es handelt sich bei dem römischen Militärlager am Häsenbühl um ein reines Holz-Erde-Kastell. Die Rasensoden- oder Holz-Erde-Mauer wurde später nicht mehr durch eine Steinmauer ersetzt. Das Kastell nimmt mit seinen Seitenlängen von 190 m mal 140 m eine Fläche von rund 2,7 ha ein und ist von drei umlaufenden Spitzgräben umgeben. Mit seiner Porta Praetoria (Haupttor) war es nach Norden hin ausgerichtet. Durch die Anordnung der Gräben und das offensichtliche Fehlen einer Steinbauperiode unterscheidet es sich von anderen zeitgleichen Fortifikationen dieser Region. Über die Innenbebauung ist nichts bekannt, ebenso wenig über die hier stationierte Einheit. Hierbei wird es sich wohl um eine Cohors (Kohorte), eine Infanterieeinheit von 500 Mann Stärke, möglicherweise auch um eine Cohors equitata, eine teilberittene Infanterietruppe derselben Stärke gehandelt haben. Für letztere Annahme sprechen die Größe des Lagers und einige Pferdegeschirrfunde.

Vicusbefunde

Der Kastellvicus, die Zivilsiedlung, in der sich Angehörige der Militärs, Händler, Handwerker und Gastwirte niederließen, ist in seinen Umrissen und seiner Struktur noch nicht gänzlich erfasst. Gesichert ist ein Siedlungsschwerpunkt südlich des Kastells, entlang der nach Rottweil verlaufenden Straße, der bei einer Breite von rund 150 m auf einer Länge von knapp 500 m festgestellt wurde. Die präzise Eingrenzung fällt, bedingt durch das Ausstreuen der Funde infolge der nachkastellzeitlichen landwirtschaftlichen Nutzung des Geländes, naturgemäß relativ schwer. Nördlich des Kastells kann längs der nach Rottweil führenden Straße eine kleinere Siedlungskonzentration als wahrscheinlich vermutet werden, so dass insgesamt von einem Vicus des Straßentyps in nordsüdlicher Ausdehnung ausgegangen werden kann.

Für die Siedlung wurden, zumindest ihren südlichen Teil betreffend, zwei Bauphasen nachgewiesen. Auf eine Holzbauphase folgte eine Bauperiode, in der auch Steingebäude errichtet wurden. Beide Straten werden von einer dazwischenliegenden Brandschicht, die durch ein Schadfeuer entstanden ist, voneinander getrennt. Der Brand kann durch entsprechende Sigillaten auf die Zeit zwischen etwa 85 n. Chr. und 100 n. Chr. datiert werden. Die Errichtung der Steinbauten scheint aber nicht unmittelbar nach dem Feuer, sondern erst im Verlauf des ersten Viertels des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts erfolgt zu sein.

Ausweislich der datierbaren Sigillaten und der Münzfunde hat das Dorf die ersten Alamanneneinfälle ab 233 n. Chr. wohl noch überstanden und wurde vermutlich erst in der Zeit der innen- und außenpolitischen sowie wirtschaftlichen Krise des Imperiums um die Mitte des 3. Jahrhunderts, zum Jahr 260 n. Chr. hin aufgegeben.

Befunde der unmittelbaren Umgebung

 Weitere Befunde, die auf einzelne Häuser im mittelbaren und unmittelbaren Vicusbereich hinweisen, werden derzeit in der Literatur noch unterschiedlich interpretiert. Ob es sich dabei um Villae Rusticae handelt oder ob sich möglicherweise eine Benefiziarierstation darunter befindet, muss ohne großflächige Ausgrabung der entsprechenden Bereiche zunächst offen bleiben. In diesem ungeklärten Zusammenhang sind auch die vereinzelten Grabfunde zu sehen, die westlich des Kastells im Bereich des heutigen „Häsenbühlhofes“ gemacht wurden.

Bemerkenswert ist die Entdeckung eines Steinmonuments, die rund 200 m nördlich der Porta Praetoria des Kastells gemacht wurde. Hier wurden im Bauschutt einer römerzeitlichen Baugrube, die ein Volumen von knapp 70 m³ einnahm, Gesimsefragmente, Fundamentblöcke sowie Teile einer Säule oder Halbsäule und eines Reliefs mit figürlichen Darstellungen gefunden. Ferner die Bruchteile einer Inschriftentafel, deren in zwei Zeilen erhaltene Inschrift

IMP(ERATOR) …(?)…
IMP(ERATOR) …(?)…
…(?)…

eindeutig die Reste einer Kaisertitulatur darstellen. Der Name des Herrschers und begleitendes, datierbares Fundmaterial fehlen aber, so dass über den Errichtungszeitpunkt und -zweck des einst wohl bogenförmig die Straße nach Rottenburg überspannenden Monuments nur spekuliert werden kann.

Häsenbühlhof, Geislingen, Baden-Württemberg, DE
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Gomadingen - Kastell

Kastell Gomadingen

Der Kastellplatz von Gomadingen liegt am nördlichen Bebauungsrand der heutigen Ortschaft Gomadingen. Von der Landstraße 230 wird das Areal durchschnitten. Topographisch befindet sich der Platz östlich des „Sternbergs“ an einer Stelle, an der die Täler der Großen Lauter, der Gächinger Lauter und des „Schörzbaches“ aufeinander treffen. Diese topographischen Gegebenheiten geschickt nutzend, lag das Kastell in der heutigen Flur „Hasenberg“, wo Lauter- und Schörzbachtal ein natürliches Annäherungshindernis bildeten und gleichzeitig die Wasserversorgung der Garnison sicherstellten.

Das Kastell Gomadingen bildete mit einer Kette von weiteren Kastellen den „Alblimes“, eine zwischenzeitlichen Grenzsicherung der römischen Provinz Raetia vor dem endgültigen Ausbau des Raetischen Limes. Verkehrsgeographisch war seine Position insofern nicht unbedeutend, als sich hier die Alblimesstraße, vom Kastell Burladingen nach Clarenna (Kastell Donnstetten) führend, mit einer weiteren römischen Straße kreuzte, die als Albquerung von der Donau an den Neckar führte.

Schon 1909 war von Peter Goessler ein Kastell des Alblimes bei Gomadingen vermutet worden und bereits 1913 hatten Eugen Nägele und Friedrich Hertlein einen Lokalisierungsversuch mittels mehrerer Suchschnitte unternommen. Das Kastell wurde aber erst 1977 durch luftbildarchäologische Prospektionen von K. und H. Besch entdeckt und anschließend vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg unter der Leitung von Hartmann Reim archäologisch untersucht. Mitte Oktober 2008 wurde das Gelände unter der Leitung von Frieder Klein mit Hilfe eines Cäsiummagnetometer geomagnetisch prospektiert. Die Auswertung der hierbei gewonnenen Daten durch den Freiburger Geologen Christian Hübner und sein Team wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die vollständige Größe des Kastells wurde bislang noch nicht erfasst. Lediglich die Südecke und zwei von dort aus abgehende Grabenstücke, von rund 130 m Länge an der Südwestfront und von rund 40 m Länge an der Südostfront, konnten festgestellt werden. Bei dem Graben handelt es sich um einen vier bis fünf Meter breiten und bis zu einer Resttiefe von zwei Metern erhaltenen Spitzgraben. Hinter dem Graben befand sich vermutlich eine Holz-Erde- oder Rasensodenmauer. Stein- oder Bauschuttfragmente fehlen ganz, dasselbe gilt auch für das Kastellinnere, wo lediglich der Mörtelestrichboden eines etwa 72 m² großen Holzgebäudes lokalisiert werden konnte.

Von den festgestellten Grabenstücken kann auf ein Militärlager hochgerechnet werden, das mindestens die Größe eines Kohortenkastells besessen haben muss. Durch den Fund einer Lanzenspitze mit der Besitzerinschrift

IVNI(I) TVR(MA) OC…

(übers.: „(Eigentum) des Iunius (aus der) Turma (des) Oc…“) kann ferner auf eine zumindest teilberittene Einheit geschlossen werden. Asweislich des bislang recht spärlichen Fundmaterials ist das Kastell von Gomadingen in domitianischer Zeit, wohl zwischen 85 und 90 n. Chr., errichtet und, nachdem es durch den Ausbau des Neckarlimes seine Bedeutung verloren hatte, spätestens um das Jahr 110 n. Chr. wieder aufgegeben worden.

Der Vicus von Gomadingen, die bei nahezu jedem römischen Militärlager anzutreffende Zivilsiedlung, in der sich Angehörige der Militärs, Händler, Handwerker und Dienstleistende niederließen, befand sich nördlich und östlich des Kastells in den Fluren „Schwärze“, „Kalkofen“, „Hasenberg“ und „Schwärzach“. Er entstand wohl zeitgleich mit der militärischen Ansiedlung, bestand aber noch über das Ende des Kastells hinaus bis in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts. Bei den bislang bekannt gewordenen Häusern des Vicus dominiert neben der Holzbebauung die Steinbauweise. Vermutlich hat der Vicus zwei Bauphasen durchlaufen, wobei nach dem Abzug der Garnison im Verlauf des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts eine Steinbauperiode die Holzbauphase ablöste.

Der Vicus erstreckte sich entlang der von Burladingen nach Urspring führenden Straße, zu der die vicustypischen Streifenhäuser mit ihren Schmalseiten hin ausgerichtet waren. Unter den bislang bekannten Gebäuden befinden sich auch fußbodenbeheizte Wohnhäuser. Das vermutliche Kastellbad wurde südlich des Militärlagers lokalisiert. Spuren eines möglichen Gräberfeldes konnten südöstlich des Kastells in der Flur „Sinnwaag“ festgestellt werden.

 

Gomadingen, Reutlingen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Heidenheim - Kastell

Kastell Heidenheim

Zu Beginn des zweiten Jahrunderts n. Chr. errichtete die Ala II Flavia milliaria pia fidelis, eine tausend Mann starke berittene Eliteeinheit der römischen Armee, ihr Kastell im Bereich der heutigen Innenstadt von Heidenheim. Es kontrollierte mit dem Brenztal als natürlichem Albdurchgang eine strategische Schlüsselposition des sogenannten Alblimes. Zum östlichen Alblimes werden die Kastelle von Donnstetten. (Clarenna), Urspring (Ad Lunam), Heidenheim (Aquileia) und Oberdorf (Opia) gezählt. Diese Kastelle, deren antiken Namen dieTabula Peutingeriana überliefert, bildeten zusammen mit den Militäranlagen des Odenwald- und Neckarlimes den Vorgänger der vorderen Limeslinie. In Heidenheim selbst konnten im Vorfeld des Kastellgeländes neben den Überresten einer Zivilsiedlung (vicus) große Steingebäude nachgewiesen werden, die einen deutlichen Hinweis auf die zentrale Rolle geben, die Heidenheim-Aquileia einst bei der militärischen Sicherung und administrativen Erschließung der Provinz Rätien gespielt haben dürfte. Teile dieser Monumentalbauten sind heute im Museum im Römerbad zu sehen. Im Zuge der letzten Grenzkorrektur des obergermanisch-raetischen Limes wurde die Ala II Flavia um 160 n. Chr.  in das neu erbaute Kastell Aalen verlegt. Aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage blieb Heidenheim-Aquileia aber weiterhin von einiger Bedeutung bis die Römer Ende des 3. Jahrhunderts das Limeshinterland endgültig aufgaben und die germanische Besiedlung unserer Region begann. Ausgehend von den neuen Erkenntnissen der jüngsten archäologischen Ausgrabungen im Kastell von Heidenheim wird sich die Themenführung auch mit den historischen Rahmenbedingungen befassen, die zur Errichtung und Aufgabe des Alblimes geführt haben.

Heidenheim an der Brenz, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Kastell Aalen
Aalen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Kastell Unterböbingen
Schwäbisch Gmünd, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Kleinkastell
Welzheim, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Kleinkastell Freimühle
Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg, DE
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Kleinkastell Hintere Orthalde
Schwäbisch Gmünd, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Kleinkastell Kleindeinbach
Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg, DE
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Kohortenkastell Schirenhof
Schwäbisch Gmünd, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Köngen, Kastell
Köngen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Owen - Villa Rustica

Villa Rustica  Owen

Im Jahre 1956 fanden die Ausgräber im Keller eines römischen Gutshofes (villa rustica) in Owen, Kr. Esslingen das Bruchstück eines Militärdiploms (H. noch 4,8 cm; Br. noch 3,1 cm; Dm. 0,8 cm). Wenn auch der Name und die Einheit des entlassenen Soldaten nicht erhalten sind, so kann das Jahr der Entlassung (missio honesta) durch Angabe der Consuln: Gallus und C.Catius Marcellus bestimmt werden: 153 n. Chr.

Erhalten sind auf dem Diplombruchstück der Name des Statthalters (procurator) der Provinz Rätien: Ulpius Rufus und die Namen von 8 Kohorten des rätischen Heeres (exercitus Raeticus). Aus anderen Militärdiplomen ist bekannt, daß um die Mitte des 2.Jh.n.Chr. in der Provinz Rätien (Provincia Raetia) 4 Alen und 14 Kohorten stationiert waren.

Die Dienstjahre der Soldaten werden, republikanischem Brauch folgend, wahrscheinlich auch in der Kaiserzeit vom 1. März an gezählt. Das Ausscheiden (exauctoratio) des Veteranen von Owen wird demnach am 1. März 153 n.Chr. erfolgt sein.

Owen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Rainenbichl - Marschlager

Marschlager Rainbichl

1990 wurden diverse römische Funde auf dem Rainenbichl entdeckt. Auffällig viele Paxilli - Heringe deuten auf ein militärisches Zeltlager hin, einige Münzen legen als Zeit den Alpenfeldzug des Drusus & Tiberius 15 v.Chr. nahe.

(Bayern-Viewer Denkmal Bodendenkmal D-1-8432-0041)

Zu sehen gibt es vor Ort nichts, dem Römer-Interessierten sei zur Info das Museum Oberammergau und zum Wandern eher der Döttenbichl empfohlen.

Oberammergau, FREE STATE OF BAVARIA, DE
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Rekonstruktion Rätischer Limes
Am Schirenhof, Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg, DE
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Reste einer Römischen Straße

Reste einer Römischen Straße, die auf 200m Länge im Wald verfolgbar ist (zumindest im Winter). Sie hat vermutlich die Gutshöfe mit Köngen verbunden.

Neuhausen auf den Fildern, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Römische Gebäude

In der Nähe der östlich vorbeiführenden Römerstraße Amstetten – Heidenheim. „Ob der Geislinger Steige wurden 1846 im Wald in der Nähe der Ziegelhütte an der Römerstraße Grundmauern von alten Gebäuden entdeckt

Pfahl, Stefan Franz • Die römische und frühalamannische Besiedlung zwischen Donau, Brenz und Nau • Landesdenkmalamt Baden-Württemberg • Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg, Heft 48 • Konrad Theiss verlag, Stuttgart 1999, S. 127

Amstetten, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Römische Gebäude - Villa Rustica ?

römische Gebäudereste in unmittelbarer Nähe der alten Römerstrasse Köngen-Bad Cannstatt. Vermutlich eine Villa Rustica aber nicht eindeutig.

Esslingen am Neckar, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Römische Töpferei
Nürtingen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Römische Ziegelbrennöfen

Beschreibung

Aichelberg, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Römischer Keller

Ein gut erhaltener Römischer Keller wurde 1966 ausgegraben. Er gehörte wohl zu einer Villa Rustica. Zum besseren Schutz wurde er wieder zugeschüttet.

Neuhausen auf den Fildern, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Römisches Bad
Schirenhofweg, Schwäbisch Gmünd, Baden-Württemberg, DE
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Römisches Bad

Römisches Bad Unterböhringen

genaue Lage unbekannt

A. Kley/R. Schreg, Vor- und Frühgeschichte von Geislingen und Umgebung. Scherben schreiben Geschichte. Begleitheft zur Weihnachtsausstellung 1992 (Geislingen a.d. Steige 1992).

Unterbohringen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Römisches Gebäude

In der Nähe der östlich vorbeiführenden Römerstraße Amstetten – Heidenheim. „Beim Steighof vermutlich römische Mauerreste

Pfahl, Stefan Franz • Die römische und frühalamannische Besiedlung zwischen Donau, Brenz und Nau • Landesdenkmalamt Baden-Württemberg • Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg, Heft 48 • Konrad Theiss verlag, Stuttgart 1999, S. 127

Amstetten, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Römisches Heiligtum

Es wurden Teile einer Jupitergigantensäule entdeckt. Dieses Heiligtum gehörte wahrscheinlich zu einer Villa Rustica in unmittelbarer Nähe, die bis heute noch nicht entdeckt ist.

Neuhausen auf den Fildern, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Urspring - Kastell

Kastell Urspring

Das Kastell Ad Lunam befindet sich unter den landwirtschaftlich genutzten Flächen rund 500 m nordöstlich der heutigen Ortschaft Urspring und etwa 250 m östlich des Quelltopfs der Lone. Das Areal in den Fluren „An der Herberg“, „Herberge“ und „Guckele“liegt rund 30 m oberhalb der Sohle des Lonetals an einem stark nach Süden geneigten Hang. Die sich noch wallartig rings um den Kastellplatz abzeichnenden Bauschutthügel der ehemaligen Wehrmauer haben dem Platz den Namen „Ringäcker“ gegeben.

 
Blick von der gegenüberliegenden Hanglage auf das Kastell, das sich in dem eingefriedeten Bereich unterhalb des Gebäudes oben auf dem Hang befand.

In antiker Zeit lag die Fortifikation hier in einer verkehrsgeographisch und strategisch bedeutenden Position. Unmittelbar unterhalb des Kastellplatzes befand sich ein wichtiger Knotenpunkt römischer Straßen. Von der Alblimesstraße, die von Clarenna (Donnstetten) aus kommend nach Aquileia (Heidenheim) führte und die in dieser Region zumindest vorübergehend ein Teilstück der Fernverbindung von Mogontiacum (Mainz) nach Augusta Vindelicorum (Augsburg) bildete, zweigte hier eine Straße nach Guntia (Günzburg) und Ponione (Faimingen) ab. Eine weitere Trasse nach Viana (Unterkirchberg) kann vermutet werden, wenngleich der Nachweis noch aussteht. Dasselbe gilt für eine mögliche, in der älteren Literatur angenommene Verbindung, die über Geislingen und durch das Filstal Richtung Neckar führen könnte.

Schon 1821 wurden die im Gelände noch sichtbaren Spuren der Kastellanlage von Andreas Buchner beschrieben.[4] Erste archäologische Ausgrabungen erfolgten 1886/87 durch den Altertumsverein Ulm unter der Leitung von O. von Arlt.[5] Hierbei wurden die Wehrmauer, alle Lagerecken, alle Tore sowie im Kastellinneren die Principia und das Horreum untersucht. Diese Grabungen wurden durch die 1904 vom März bis zum Mai stattfindenden systematischen Untersuchungen der Reichs-Limeskommission abgerundet.

Die Arbeiten des Ulmer Vereins und der Reichs-Limeskommission blieben die einzigen umfassenden und großflächigen Grabungen. Ihre 1889 und 1904 erschienenen Publikationen bilden bis heute den wesentlichen Grundstock des Wissens über das römische Urspring.

Ergänzt wurden die Erkenntnisse der beiden Ausgrabungen, als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts große Teile des Vicus und des Gräberfelds überbaut und dadurch für immer zerstört wurden. In dieser Zeit kam es jedoch zu keinen weiteren systematischen wissenschaftlichen Untersuchungen, lediglich Not- und Rettungsgrabungen begleiteten die Baumaßnahmen.

Die Identität des römischen Ursprings mit dem auf der Tabula Peutingeriana verzeichneten Ort Ad Lunam gilt als wahrscheinlich, ist aber noch nicht gänzlich durch entsprechende Inschriftenfunde gesichert. Der Name „Ad Lunam“ leitet sich nicht vom Lateinischen „Luna“ (der Mond) her, sondern bezieht sich auf die latinisierte Form des Flussnamens „Lone“, bedeutet also etwa so viel wie „Bei der Lone“.

Das Kastell wurde vermutlich in frühdomitianischer Zeit errichtet.Es befand sich in einer stark nach Süden hin abfallenden Hanglage. Das relative Gefälle innerhalb des Lagers betrug 15 %, der absolute Höhenunterschied durchschnittlich 20 m. Das Kastell nahm mit seinen Seitenlängen von 135 m mal 132,5 m einschließlich der Umwehrung eine Fläche von knapp 1,8 ha ein. Mit seiner Prätorialfront war es nach Süden, zum Lonetal hin ausgerichtet. Zwei Bauperioden, eine Holzbauphase und eine Steinbauphase konnten nachgewiesen, nicht jedoch zeitlich voneinander abgegrenzt werden.

In seiner ersten Bauphase waren die hölzernen Innenbauten mit einer Holz-Erde-Mauer umwehrt, vor der sich ein einzelner, rund 7,4 m breiter und 2,9 m tiefer Spitzgraben befand. Von den wahrscheinlich vier Toren konnte das Südtor nicht nachgewiesen werden, seine Existenz gilt aber schon aufgrund des Umstandes, dass es sich hierbei um die Porta praetoria (Haupttor) handelt sowie durch die Lagertopographie als höchst wahrscheinlich. Die Tore waren von je zwei hölzernen Wehrtürmen flankiert. Für Eck- und Zwischentürme liegen keine Hinweise vor.

 

In der zweiten Bauphase wurde die Holz-Erde-Mauer durch eine viertorige Steinmauer mit abgerundeten Ecken verstärkt. Vor die alte Holz-Erde-Konstruktion, die nunmehr als Vallum (Erdwall) hinter der neuen Bewehrung diente, wurde eine zweischalige Mauer aus weißem Jurakalkstein gesetzt. Durch die neue Mauerkonstruktion und eine zusätzliche Befestigung seiner Innenböschung wurde der alte Graben auf eine Breite von rund 6 m und eine Tiefe von maximal 1,4 m reduziert. An die Stelle der hölzernen Tortürme traten ebenfalls aus Jurakalk errichtete Steintürme. Eck- und Zwischentürme konnten auch für diese Bauphase nicht festgestellt werden.

 

Von der Innenbebauung des Lagers wurden insgesamt vier Gebäude nachgewiesen. Unmittelbar östlich neben der Principia (Stabsgebäude), die von den frühen Ausgräbern noch mangels besserer Kenntnis als „Mittelgebäude“ bezeichnet worden war, befand sich ein zunächst als „Pfeilerbau“ bezeichnetes Horreum (Getreidespeicher). Die Funktion der beiden anderen Gebäude ist nicht geklärt. Außer dem massiv steinernen Horreum sind die anderen Gebäude in einer kombinierten Stein-Fachwerk-Technik errichtet worden.

Die Principia bedeckt mit ihren Seitenlängen von 31 m mal 26 m eine Fläche von rund 800 m² einschließlich des Innenhofes. An ihrer Rückfront befinden sich fünf zwischen 23,8 m und 28,3 m große Räume. Der mittlere Raum springt, eine Apsis andeutend, etwa 15 cm aus der Nordfront hervor. Er diente als Sacellum (Fahnenheiligtum, auch Aedes genannt). An der östlichen und westlichen Seite der Principia befanden sich zwei lang gestreckte Hallen, vor ihrer Südfront eine Dachkonstruktion, die an dieser Stelle die Via Principalis überdeckte und hier wohl als Appellhalle diente.

Die Konstruktion des Horreums ruhte auf 90 cm breiten Kalksteinfundamenten und war, außer an seiner Südfront, an drei Seiten mit je vier Strebepfeilern verstärkt. Die Mauern waren mit Lüftungsschlitzen versehen, der Fußboden befand sich hohlliegend über einem Keller, so dass das im Horreum aufbewahrte Getreide vor Feuchtigkeit und Nagetieren weitgehend geschützt war.

Die Funktion eines dritten, in der älteren Literatur als Westbau bezeichneten Gebäudes ist nicht völlig geklärt. Es war ausweislich der darin gefundenen Tubuli (Hohlziegel) und eines Praefurniums (Befeuerungsraum) mit einer Hypokaustanlage versehen. Möglicherweise diente es als Praetorium (Kommandantenwohnhaus), aber auch eine nachkastellzeitliche Benefiziarierstation wurde bei den Interpretationsbemühungen in Erwägung gezogen. Das vierte Gebäude schließlich, das sich zwischen dem „Westbau“ und der Principia befand, entzieht sich völlig der archäologischen Interpretation.

Über die Besatzung des Kastells ist nichts bekannt. Vermutlich dürfte es einer Cohors quingenaria peditata, einer etwa 500 Mann starken Infanterieeinheit als Unterkunft gedient haben. Der Fund eines eisernen Sporns könnte allerdings auch ein Indiz für eine Cohors quingenaria equitata, eine teilberittene, 500 Mann starke Infanterietruppe sein. Die römische Militärpräsenz in Urspring dürfte bis zu Beginn der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts bestanden haben. Mit der Vorverlegung des Limes auf die Linie Lorch-Gunzenhausen-Abusina/Kastell Eining wird es seine Bedeutung verloren haben und aufgelassen worden sein. Es wird vermutet, dass die Urspringer Truppe in das zwischen 150 und 160 n. Chr. errichtete Kastell Unterböbingen vorverlegt worden ist.

Der Vicus von Urspring, die bei nahezu jedem römischen Militärlager anzutreffende Zivilsiedlung, in der sich Angehörige der Militärs, Händler, Handwerker, Gastwirte und andere Dienstleister niederließen, befand sich südlich des Lagers, im Talgrund der Lone. Sein Kern erstreckte er sich ausweislich der Fundkonzentrationen längs der nach Faimingen führenden Straße über eine Länge von etwa 350 m und eine Breite von rund 200 m. Vereinzelte Streu- und Lesefunde sind auch noch in weiterer Entfernung anzutreffen. Insgesamt ist wenig über den Vicus bekannt. Systematische Flächengrabungen fanden nicht statt, während der Baumaßnahmen, die schließlich zu seiner Zerstörung führen sollten, wurden lediglich baubegleitende Not- und Rettungsgrabungen durchgeführt.

Ein in der Flur „Lonetalwiesen“ angeschnittenes, größeres und mit einer Hypokaustanlage versehenes Gebäude kann vermutlich als Kastellbad angesprochen werden. Das einzige bekannte Gräberfeld des Ortes wurde rund 600 m südwestlich des Kastells in der Flur „Taläcker“, am Fuße des „Hägelesberges“ entdeckt. Hier konnten insgesamt 82 Brandgräber untersucht werden, ohne dass die Gesamtausdehnung des Feldes auch nur annähernd erfasst wurde.

Die Zivilsiedlung existierte über das Kastellende hinaus. Zwischen 150 und 175 n. Chr. wurden Teile des Vicus von einer Brandkatastrophe betroffen, die möglicherweise im Zusammenhang mit den Markomanneneinfällen zwischen 166 und 180 n. Chr. stand. Er wurde in kleinerem Umfang wieder aufgebaut und fand sein Ende erst in der Zeit der innen- und außenpolitischen sowie wirtschaftlichen Krise des Imperiums um die Mitte des 3. Jahrhunderts (Limesfall).

Über die Besatzung des Kastells ist nichts bekannt. Vermutlich dürfte es einer Cohors quingenaria peditata, einer etwa 500 Mann starken Infanterieeinheit als Unterkunft gedient haben. Der Fund eines eisernen Sporns könnte allerdings auch ein Indiz für eine Cohors quingenaria equitata, eine teilberittene, 500 Mann starke Infanterietruppe sein. Die römische Militärpräsenz in Urspring dürfte bis zu Beginn der zweiten Hälfte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts bestanden haben. Mit der Vorverlegung des Limes auf die Linie Lorch-Gunzenhausen-Abusina/Kastell Eining wird es seine Bedeutung verloren haben und aufgelassen worden sein. Es wird vermutet, dass die Urspringer Truppe im Zuge der Grenzverschiebung in das zwischen 150 und 160 n. Chr. errichtete Kastell Unterböbingen kam. Auch dort ist die stationierte Einheit unbekannt. Hans Ulrich Nuber spekulierte mit der Cohors VI Lusitanorum, was sich jedoch bis heute nicht nachweisen lässt.

 

 

 

Lonseer Straße, Urspring, Baden-Württemberg, DE
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Villa Rustica
Wendlingen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Villa Rustica
Köngen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Villa Rustica
Neuhausen auf den Fildern, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Villa Rustica
Nürtingen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Villa Rustica

Lage einer Villa Rustica im Waldstück Sauhag

Neuhausen auf den Fildern, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Villa Rustica

http://www.tourismus.alb-donau-kreis.de/sites/default/files/pdfs/adk_wandertouren_tour_19.pdf

  • Pfahl, Stefan Franz • Die römische und frühalamannische Besiedlung zwischen Donau, Brenz und Nau • Landesdenkmalamt Baden-Württemberg • Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg, Heft 48 • Konrad Theiss verlag, Stuttgart 1999, S. 128ff.

 

Amstetten, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Waldhäuser Schloß - Villa Rustica
Wolfschlugen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Welzheim, Westkastell
Welzheim, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Welzheim, Westkastell
Welzheim, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE
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Willmandingen - Römische Funde

Fundstelle Römischer Scherben - Mauern

 

Willmandingen, Reutlingen, BADEN-WÜRTTEMBERG, DE

 

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