Die ältesten Steinspitzen, die sich möglicherweise als Pfeilspitzen interpretieren lassen, sind ca. 64000 Jahre alt (Südafrika), was aber umstritten ist. In Europa hat man ca. 20000 Jahre alte Steinspitzen aus Feuerstein gefunden, die aber auch von einer Speerschleuder stammen könnten.

Der älteste archäologisch als Bogen interpretierte Fund stammt aus der Zeit von ca. 16000 v. Chr. (Datierung durch Radiokarbonmethode). Der Bogen wurde bei Mannheim gefunden und ist aus Kiefernholz. Er hat eine Stärke von 25-30 lbs.

Die ältesten archäologischen Bodenfunde – und damit zweifelsfreien Belege für den Bogen – stellen komplett erhaltene Pfeile aus dem Stellmoor dar (Ahrensburger Kultur, etwa 10.000 v. Chr.)

Die ältesten unzweifelhaften Bogenfunde stammen aus dem nordischen Mesolithikum. Sie waren aus Ulmen gefertigt. Die beiden ältesten Exemplare stammen aus Holmegard auf Seeland(Dänemark). Da die fünf nachfolgend aufgelisteten Bogenfunde recht ähnlich konstruiert und dimensioniert sind, wird diese Form des Flachbogens mit D-förmigem Querschnitt als mesolithischer Standardtyp angesehen.

  • Holmegård IV, Seeland (Kongemose-Kultur, ca. 6000 v. Chr.): Dabei handelt es sich um zwei Flachbögen aus Ulmenstämmchen (Bergulme), wovon einer vollständig und einer etwa zur Hälfte erhalten ist. Die Innenseiten der Bögen sind flach, die Außenseiten gerundet. Die Griffpartien sind deutlich eingezogen. Die Originallängen betragen 154 cm beim vollständigen Exemplar und werden bei dem halb erhaltenen auf 184 cm geschätzt.
  • Ageröd V, Südschweden (im Atlantikum, 14C-Datierung 6860–6540): Ein Flachbogen aus Ulme (Ulmus sp.), ca. 170 cm lang; ein Flachbogen aus Eberesche bzw. Vogelbeerbaum (Sorbus aucuparia), fragmentarisch noch 61,7 cm erhalten; ein Stabbogen. Nach Bergman sei der Stabbogen weniger effizient und seiner Spekulation nach möglicherweise von Jugendlichen gebaut worden.
  • Ringkloster, Dänemark: Bogen aus der Ertebolle-Kultur, Datierung 5400–3550 v. Chr.
  • Tybrind vig, Dänemark: Bogen aus Ulmenholz, ca. 160 cm lang, Ertebølle-Kultur, Datierung 4600–3200 v. Chr. Es handelt sich um ein weitestgehend komplett erhaltenes Exemplar. Der Bogen hat einen runden Rücken und einen flachen Bauch. Die Tips sind unterschiedlich ausgeformt, was auf die Verwendung einer Spannschnur hindeutet.

Zwei Bogentypen prägten die Jungsteinzeit Mitteleuropas: Zum einen Bögen mit hohen Querschnitten, zum anderen der „propellerförmige Typ“. Als bevorzugtes Bogenholz wurde nun Eibe verwendet. Trotz der bäuerlichen Wirtschaftsweise behielten Pfeil und Bogen stets eine Bedeutung als Statussymbole, wie Grabbeigaben der ältesten Ackerbau-Kultur in Mitteleuropa (der so genannten Linienbandkeramik) zeigen. Keine Bodenfunde, aber Abbildungen von Recurvebogen (bei sehr wahrscheinlicher Kompositbauweise) gibt es bereits seit dem Frühneolithikum auf Felsbildern in Spanien. Auch Felsbilder im algerischen Tassili zeigen jungsteinzeitliche Bogenjäger.

In das Jungneolithikum (etwa 4300 v. Chr.) datieren die Funde vom Schnidejoch – die komplette Bogenausrüstung der Gletschermumie Ötzi stammt aus dem Spätneolithikum und ist etwa 3300 v. Chr. gefertigt worden.

Auch Gräber der Glockenbecherkulturen zeigen in Form von so genannten Armschutzplatten und Pfeilspitzen aus Feuerstein, dass die Bogenausstattung zu den wichtigsten Waffen zählte. Eine Ausstattung mit Pfeilen und Armschutzplatte wurde im Grab des Bogenschützen von Amesbury entdeckt.

Eines der wenigen erhaltenen Exemplare aus dem Endneolithikum ist der Meare-Heath-Bogen. Es handelt sich um ein einzelnes Exemplar aus Eibenholz, das im Juni 1961 in den Somerset Levels in England gefunden wurde. Im Vergleich zu anderen Bögen sind dessen Wurfarme sehr breit und verlaufen bis kurz vor den Tips weitestgehend parallel. Zusätzlich sind sie mit Lederbändern umwickelt. Das Alter wird auf etwa 2700 v. Chr. geschätzt. Das ungewöhnliche Design, das dem Prinzip moderner Bögen teilweise stark widerspricht, deutet grundsätzlich darauf hin, dass es sich um eine rein zeremonielle Waffe handeln könnte. Dennoch haben mehrere Nachbauten gezeigt, dass der Bogen prinzipiell funktional ist.

Der Kurzbogen entwickelte sich wahrscheinlich mit und in den Steppenreiterkulturen. Auf antiken Darstellungen sowie in den Kurganen finden sich erste Belege. Wegen der im Vergleich zum Langbogen ungünstigeren mechanischen Verhältnisse haben sie zurückgebogene Bogenenden (Recurves) und Sehnen-/Hornverstärkungen (Kompositbögen).

Bogenfunde der Bronzezeit und Eisenzeit sind in Mitteleuropa äußerst selten. Der Bogenschütze von Amesbury aus der Glockenbecherkultur ist mit Langbogen, Pfeilen und Armschutzplatte bestattet worden. Oft sind bei endneolithischen Gräbern nur noch die Pfeilspitzen, steinernen Armschutzplatten oder Pfeilschaftglätter erhalten, die auf den Status des Bogens als Waffe hinweisen. Auch in der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur bleibt diese Grabbeigabe bestehen. Vom Ende der Frühzbronzezeit ist ein Geweihbogen (Rothirsch) aus England bekannt, der mit nur 45 Zentimetern Länge zu den Miniaturbogen zählt. Die 14C-Datierung dieses singulären Fundes ergibt ein Alter zwischen 1750 und 1605 v. Chr. Für die Mittlere und Späte Bronzezeit gibt es bislang keine Bogenfunde, lediglich zwei Köcher aus urnenfelderzeitlichen Gräbern: einen mit elf Pfeilen aus Ockstadt (Wetteraukreis) und einen mit sechs Pfeilspitzen und Schaftresten aus Behringersdorf (Kr. Nürnberger Land). Aus klimatischen Gründen ist in Mitteleuropa nicht von Importen vorderasiatischer Kompositbogen auszugehen, sondern überwiegend vom reinen Holzbogen (Selfbow). Häufig gefunden werden dagegen so genannte „graeco-eurasische“ Pfeilspitzen der Halsstattzeit wie im Gräberfeld von Hallstatt, in Salzburg, Mellrichstadt, in einer Höhle bei Ebermannstadt, auf der Ehrenbürg bei Forchheim oder der Heuneburg (Kr. Sigmaringen). Diese gelten als Importe aus Griechenland und dem Gebiet der Skythen bzw. als technische Nachahmungen dieser Formen

Bis auf ein paar Reliefe und archäologischen Bogenfunden ist eigentlich relativ wenig bekannt über die Bogenschützen in der Römischen Armee.

Bekannte Bogenschützenländer aus denen die Hilfstruppen (Auxillare) der Römischen Legion rekrutiert wurden waren Syrien (Parther) und aus Rhodos.

Lange hielt sich dieses Dogma, das die Römischen Bogenschützen ausschließlich aus diesen Hilfstruppen rekrutiert wurden

 

In der Kaiserzeit war der vorherrschende Bogentyp der Reflexbogen, wobei solche Reflexbögen verschiedene Bogentypen sein konnten.

Abgesehen von den hier schon genannten gab es auch von Rhodos bekannte Bogenschützen und der Parthische bzw Sassanidische Bogen kam über Syrien ins Reich und fand dort weite Verwendung.

Solche Bögen wurden auch am Limes und im Norden verwendet auch wenn dort andere Fernwaffen wie Wurfspeere eine viel größere Rolle spielten (Klimatische Gründe, Feuchtigkeit etc)

Trotzdem wurden Kompositbögen auch am Limes und im Norden verwendet. Berittene Bogenschützen mit Kompositbögen befanden sich in Britannien, Obergermanien und auch Raetien, in jeder dieser Provinzen aber nur im Größenbereich einer Kohorte. Es gab also im Norden solche Truppen, aber sie waren numerisch gering. Die meisten Berittenen Bogenschützeneinheiten lagen entlang der Donau von Panonnien bis zum Schwarzen Meer und in Syrien.

Die meisten römischen Bogenschützen waren interessantererweise Berittene Bogenschützen. Von den 46 bekannten Bogenschützeneinheiten der Auxiliare waren mehr als 60% Beritten und der Rest teilweise Beritten (Gemischte Kohorten)

Die ersten Equites Sagitarii kamen bereits in der Spätrepublikanischen Zeit aus Syrien in den römischen Dienst.

Das bedeutet, ein römischer Bogenschütze der Auxiliare ist meistens ein Berittener Bogenschütze.

Der Bogen wurde aber nicht nur von speziellen Bogenschützeneinheiten geführt, sondern auch sonst bei der Kavallerie und bei gemischten Kohorten, und insbesondere auch bei den Legionen. Die meisten Funde von Überresten der Bogenfernwaffe stammen aus Legionslagern. Vegetius schreibt, daß 1/3 aller Rekruten im Bogenschießen ausgebildet werden sollte.

Das heißt, das der Bogen auch bei den Legionen weite Verwendung gehabt haben muß, selbst zur Hochzeit des Auxiliarsystems.

Interessant ist vielleicht noch, daß die streng symetrischen Parthischen Bögen im Römischen Reich wie dann später auch bei den Sassaniden etwas länger wurden und assymetrisch. Der untere Arm war dann etwas kürzer als der obere Arm. Dadurch konnten solche längeren Bögen vom Pferd aus besser eingesetzt werden.

Die Römer verwendeten im Gegensatz zu den Parthern und anderen spezielle Köcher für die Pfeile. Die Köcher konnten geschlossen werden (Grund Wetter) und sind auf den Abbildungen auffallend lang und verbreitern sich nach unten, sie hängen bei Reitern rechts hinten am Sattel. Vermutlich waren römische Pfeile länger und schwerer was wiederum mit der größeren Verbreitung von Rüstungen im Raum des Reiches zusammen hängen dürfte. Desweiteren trugen die Römer die Pfeile in ihren Köchern mit der Spitze nach Oben und zwar ungefähr 40 Pfeile in einem Köcher.

Desweiteren hatten die Römer dann einen vom Pfeilköcher getrennten Bogenköcher in dem dieser bei Nichtgebrauch geschützt geführt wurde. Der Bogenköcher wurde immer links am Gürtel getragen.

Als Sekundärbewaffnung war für die Berittenen Bogenschützen eine Lanze üblich, diese wurde während des Schießens auf dem Rücken getragen oder an den Sattel gehängt.
Schilde waren eher selten, wurden dann aber in der Spätantike üblicher, es waren kleine runde Schilde die man am Unterarm befestigen konnte, sehr verbreitet war dann auch das Spatha.

Insbesondere bei den berittenen Bogenschützen war Pferdepanzerung weit verbreitet, solche mußte nicht aus Metall sein sondern konnte auch aus organischem Material gefertigt sein. Ein solcher Schutz für das Pferd war eine wichtige Sache, da ja meistens Bogenschützen mit anderen Bogenschützen zu tun hatten und das Pferd für Pfeile dann das Primärziel war.

Obwohl viele Bogenschützen aus dem Osten rekrutiert wurden heißt das nicht, das alle Rekruten daher kamen, die weite Verbreitung des Bogens auch in den Legionen und die weite Verbreitung des Kompositbogens auch im Norden zeigen, daß auch im Westen solche Bögen produziert wurden und das es eine eigene römische Entwicklung gab. Viele römische Bogenschützen trugen keine orientalische Kleidung, sondern sahen vom Erscheinungsbild wie ganz normale westliche Auxiliare aus. Sie unterschieden sich von anderen Auxiliaren nur durch ihre spezialisierte Bewaffnung.

Wie sah das den mit den Fußtruppen aus hatten die auch 2 Taschen in einer der bogen in der anderen die Pfeile? Das ist schwer zu glauben da das unhandlich ist

Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch Bogenschützen zur Fuß überwiegend zwei Köcher hatten, das ist durchaus nicht unhandlich. Man weiß zudem, daß der Bogen in einem Bogenköcher Links getragen wurde, man weiß aber bei Bogenschützen zur Fuß nicht, wie sie den Pfeilköcher getragen haben.

Es gab auch einzelfallweise insbesondere im Osten auch kombinierte Köcher wo Pfeile und Bogen zusammen waren, aber gerade im römischen Reich waren eher zwei getrennte Köcher üblich.

Der Schutz des Bogens in einem Köcher ist insbesondere im West- und Nordrömischen Raum absolut notwendig, da der Bogen vor Feuchtigkeit usw geschützt werden muß. Insbesondere Kompositbögen sind empfindlich.

Zitat:
Gibt es den Abbildungen von Bogenschützen die zu fuß sind?

Es gibt tatsächlich Abbildungen von Bogenschützen. Die weisen nur ein Problem auf, die Künstler haben damals seltenst die Truppen so dargestellt wie sie waren, insbesondere die Waffen nicht. Gerade der Bogen wurde durchgehend in der Abbildung nicht so dargestellt wie er in Wirklichkeit war. Aus künstlerischen Gründen stellte man meistens skytische Bögen dar weil dies auch die griechische Darstellungsweise war.

Zitat:
Diese reflexbogen wie gut waren den die wirklich?

Es gab sicher sehr unterschiedliche Bögen und sehr unterschiedliche Leistungen, aber im Schnitt kann man für die römische Kaiserzeit vom einem Zuggewicht im Bereich von um die 30 kg ausgehen. In der Spätantike kamen dann stärkere Bögen in Gebrauch.

Das besondere an einem Reflexbogen ist es, daß sich die Bogenarme schneller bewegen als bei einem normalen Bogen und die Zuglänge anders ist usw usw. Ein Reflexbogen erzielt daher mit weniger Zuggewicht die gleiche Leistung wie ein normaler Bogen.

Anmerkung: Kompositbogen ist nicht gleich Reflexbogen, es gab auch Kompositbögen die keine Reflexbögen waren.

Die typisch römischen Bögen hatten eine Einsatz Reichweite von bis zu 250 m und man schoß bei Übungen bis ungefähr 175 m Entfernung. Weiter hat man aber auch im Einsatz nicht geschossen, die weitesten Schüsse im Krieg dürften so bei 200 m gelegen haben. Üblicherweise schoß man eher im Bereich 50 m bis 150 m oder als Berittener Bogenschütze sogar nur im Bereich 25m bis 50 m. Die Pfeile waren je nach Typ in der Lage ein Kettenhemd auf kurze Distanzen bis zu 25 m maximal zu durchdringen. Das hing aber auch stark von der verwendeten Pfeilspitze ab und von der Stärke des Bogens. Die Bögen der Spätantike mit 40 bis 60 kg Zuggewicht hatten mehr Durchschlagskraft als die, in der Frühen und Mittleren Kaiserzeit vorherrschenden Typen.

 

Germanen bauten im 1.–2. Jahrhundert meist Stabbögen mit hohem Querschnitt, die seit der Eisenzeit typischerweise dick auslaufende Wurfarmenden mit zum Teil seitlich angebrachter Nockenkerbe hatten. Sie sind in Siedlungen und als Einzelfunde archäologisch nachgewiesen.

Seit dem 19. Jahrhundert entstand das Gerücht, römische Geschichtsschreiber hätten die Verachtung der Germanen gegenüber Pfeil und Bogen als Kriegswaffe zum Ausdruck gebracht, was in einer Art Ehrenkodex festgehalten gewesen sei. Tacitus erwähnte in seiner „Germania“ dazu jedoch nichts. Stattdessen kann die Ineffizienz des Bogens gegen gepanzerte römische Legionen ins Feld geführt werden. Das schließt jedoch die Möglichkeit des Gebrauches nicht aus und es gibt Belege, dass sich die Gallier zur selben Zeit des Bogens bedienten.

Eine herausragende Kollektion von 36 Bogenfunden germanischer Zeit stammt aus dem Nydam-Moor in Sonderjylland. Die Eibenbögen wurden offenbar mit vielen weiteren Waffen im Moor versenkt. Die Datierung der Bögen wird mit 100–350 n. Chr., an anderer Stelle mit 300 n. Chr. angegeben. Der Bau des Nydam-Schiffes selbst ist dendochronologisch  auf 310–350 n. Chr. zu datieren, so dass die Datierung der Bögen ebenfalls ins frühe 4. Jahrhundert wahrscheinlich sein dürfte. Beim Typ Nydam handelt es sich um schlanke Stabbogen von 178–187 cm Länge, die an die späteren englischen Langbogen erinnern. Die spitz zulaufenden Wurfarme haben Tips (Endenverstärkungen) aus Geweih, die zum Teil einen achteckigen Querschnitt haben. Bei einem dieser Bögen ist ein Tip aus Eisen erhalten.

Aus der Völkerwanderungszeit sind insbesondere die Bögen der Merowinger und Alamannen überliefert. Ein erfolgreicher Einsatz der Alamannen gegen die Römer in einer Schlacht am Rhein im Jahre 354 dokumentiert die Verwendung des Bogens als Kriegswaffe.

Eine vorzügliche Quelle zur Erforschung frühmittelalterlicher Eibenbogen bot der bereits 1846 ausgegrabene Friedhof von Oberflacht, Landkreis Tuttlingen Die Belegung des Friedhofs stammt aus dem Zeitraum von 530 bis 650.

Ein mit einer Eisenblechtülle beschlagener alamannischer Bogen wurde in einem Grab in der St. Martinskirche in Altdorf (Kanton Uri, Schweiz) gefunden. Das Grab datiert um das Jahr 670. Bei diesem Bogen bestehen Ähnlichkeiten zu den D-förmigen Nydam-Bogen aus dem 4. Jahrhundert, die ebenfalls eine Eisenblech- oder Geweihtülle hatten.

Im Stuttgarter Psalter(um 830) werden Kampfszenen mit Pfeil und Bogen zwischen Awaren und Franken gezeigt.

Der klassische Langbogen entwickelte sich im europäischen Hoch- bzw. Spätmittelalter zum englischen Langbogen (engl. Longbow) mit sehr hohen Zuggewichten weiter. Diese Entwicklung ist die Antwort auf die besonders im Hochmittelalter vorkommenden Panzerreiter. So konnte ein Pfeil, der von einem Langbogenschützen abgeschossen wurde, mühelos eine damals gebräuchliche Kettenrüstung und unter günstigen Bedingungen sogar die als Reaktion entwickelten Plattenpanzer durchschlagen. Auch die Pferde der Ritter mussten nun, soweit überhaupt möglich, vor Waffenwirkung beschützt werden. Allerdings mussten entsprechend große Kräfte zum Spannen des Bogens ausgeübt werden. Heranreitende Kavallerie hatte nur selten die Möglichkeit, die Bogenschützen mit ihren Nahkampfwaffen anzugreifen.

Im Jahr 1139 wurde der Einsatz des Bogens (gemeinsam mit der Armbrust) bei kriegerischen Auseinandersetzungen unter Christen durch das Zweite Laterankonzil geächtet.

Im Hochmittelalter (ca. 1050 bis 1250) waren im Westen vor allem Waliser und Engländer, im Osten besonders die Türken und Mongolen gefürchtete Bogenschützen. Mehrere Schlachten im Hundertjährigen Krieg gewannen die Engländer mit ihrer taktisch eingebundenen Bogenstreitmacht. Um den in diesem Krieg entstandenen Bedarf an Eibenholz zur Bogenherstellung decken zu können, wurde nicht zuletzt auch Holz aus deutschen Wäldern verwendet.

Im Gegensatz zur Jagd wurde mit den damaligen Kriegsbögen nicht gezielt, sondern auf die Salvenwirkung gesetzt. Durch die große Anzahl an Schützen und dementsprechend vielen gleichzeitig niedergehenden Pfeilen war die Trefferwahrscheinlichkeit trotzdem recht hoch. Kriegsbögen hatten ein hohes Zuggewicht, typischerweise mehr als 100 englische Pfund, das sind ca 45 kg. In alten Chroniken wurde berichtet, dass die Pfeile „dicht wie Schnee“ auf den Gegner niedergingen.

Zwar hatte schon Wilhelm der Eroberer in der Schlacht von Hasting eine große Truppe von französischen Bogenschützen gegen die Truppen von König Harald II. eingesetzt, aber sie waren ebenso wie die weniger zahlreichen englischen Bogenschützen nur mit relativ kurzen Bögen ausgerüstet.

Bereits im 11. Jahrhundert wurde von walisischen Bogenschützen berichtet, deren Pfeile ca. zehn Zentimeter dicke Eichentore durchschlugen. In den Dienst des englischen Königs Eduard I. wurde der Langbogen nach der Unterwerfung der Waliser im späten 13. Jahrhundert übernommen. Zunächst wurden walisische Bogenschützen eingesetzt, später wurden auch englische Langbogenschützen ausgebildet. Ende des 13. Jahrhunderts entwickelte sich der englische Typ mit tiefem D-förmigem Querschnitt, der in Westeuropa zur effektivsten Fernkampfwaffe wurde, die von einem einzigen Menschen bedient werden konnte. Der militärische Einsatz des Langbogens wurde im europäischen Mittelalter zuerst in England realisiert.

Um mit einem Langbogen eine solche Wirkung zu entfalten, war jahrelange Übung notwendig. Im mittelalterlichen England wurden daher Gesetze erlassen, die die männliche Bevölkerung dazu verpflichteten, sich im Umgang mit dem Langbogen zu üben. Zudem mussten englische Väter ihre Söhne mit einem Langbogen ausrüsten, wenn diese ein bestimmtes Alter erreicht hatten. Bei Skelettfunden, die man englischen Langbogenschützen zuordnen konnte (Mary Rose), wurden auf starke mechanische Belastung hinweisende Umbildungen von Arm- und Wirbelknochen festgestellt.

Moderne Versuche haben ergeben, dass ein von einem Langbogen abgeschossener Pfeil unter Idealbedingungen die Brustplatte einer Plattenrüstung durchschlagen konnte.

Zur Herstellung von Langbögen verwendeten die Engländer vorwiegend Eibenholz, da dieses die hohen auftretenden Zug- und Stauchkräfte aufnehmen kann. Diese Eigenschaften ermöglichten die Entwicklung zum leistungsstarken Stabbogen, der im Gegensatz zum Flachbogen auf weite Distanzen einzusetzen ist. Die walisischen Bogenschützen schossen auch mit Ulmenbögen. Noch heute ist die Eibe streng geschützt, weil dem damaligen Bedarf an Eibenholz fast die gesamten Bestände des Alpenraums und der Pyrenäen zum Opfer gefallen waren.

Die meisten englischen Langbögen reichten dem Schützen im ungespannten Zustand mindestens bis auf Augenhöhe.

In anderen europäischen Reichen wurde der Nutzen dieser Waffe ebenfalls erkannt, sodass der Langbogen auch außerhalb Englands Verbreitung fand, wo er aber aufgrund der Konkurrenz durch andere Fernwaffen, vor allem die gegen Ende des Mittelalters aufkommenden Feuerwaffen, nicht die gleiche Rolle spielte wie in England.

In den Schlachten des Spätmittelalter (ca. 1250 bis 1500) bewährte sich der Langbogen vielfach. Geriet gegnerische Reiterei unter die wenig bis gar nicht gepanzerten Bogenschützen, hatten diese allerdings meist nur ein leichtes Schwert oder auch nur einen Dolch oder ein Messer zur Verteidigung. Solche Kämpfe endeten meist in einer Katastrophe für die Bogenschützen, die aufgrund ihrer langen Ausbildung nur schwer zu ersetzen waren. Deshalb bezogen die englischen Langbogenschützen meist Deckung hinter spitzen Holzpfählen, die in die Erde gerammt waren. Davor postierten sich schwer gepanzerte Ritter, die zu Fuß kämpften und mit ihren Lanzen gegnerische Truppen auf Distanz halten sollten.

Der Sage nach wurden im Hundertjährigen Krieg englischen Bogenschützen, die in Gefangenschaft gerieten, der rechte Zeige- und Mittelfinger  abgehackt, mit denen die Sehne gezogen wurde. Verschiedene Gesten ( Victory-Zeichen, crossed fingers) werden auf diese Sage zurückgeführt.

Noch im Jahre 1590 verteidigte der englische Adlige Smythe den Nutzen des Langbogens gegenüber den damals gebräuchlichen Arkebusen und Musketen. Smythe wies darauf hin, dass ein Bogen im Gegensatz zu einer Feuerwaffe über keinen Mechanismus verfügt, der versagen könnte. Zudem hob er die deutlich höhere Feuerrate des Bogens im Vergleich zu Feuerwaffen hervor. Außerdem würde ein dichter, heranfliegender Pfeilhagel die Moral des Gegners schädigen.

Aus dem Wrack des in dieser Zeit gesunkenen Schiffs Mary Rose wurden etliche Langbögen geborgen, die zum Teil so gut erhalten sind, dass sie noch schießbar sind.

In der frühen Neuzeit (ca. 1500 bis 1790) wurden die Langbögen abgelöst. Im englischen Bürgerkrieg in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden noch Langbögen verwendet, kurze Zeit später wurde der Langbogen in England aber endgültig verdrängt. Musketen erlangten eine immer höhere Feuerkraft und Reichweite und konnten Panzerungen leichter durchschlagen. Zudem war die Ausbildung eines Langbogenschützen weit aufwändiger und länger als die eines Musketenschützen.