Falkensteiner Höhle

Urgeschichte

Das riesige, gähnende Portal der Falkensteiner Höhle und der gelegentlich daraus hervorbrechende Höhlenbach haben sicherlich schon immer Neugier und Phantasie der sie besuchenden Menschen angeregt. Märchen und Legenden, historische Begebenheiten und abergläubische Überlieferungen, humorvolle Episoden und tragische Ereignisse ergeben über die Jahrhunderte hinweg ein buntes Bild vom Nebeneinander von Zeitgeist und Höhlengeistern.

"Die Geschichte der Falkensteiner Höhle ist deswegen so merkwürdig, weil Sage und Forschungsergebnisse, Dichtung und Wahrheit, dunkle Gerüchte und die absichtliche Verbreitung mancher ins Riesenhafte aufgebauschten Unwahrheiten sich gegenüberstehen." (Massatsch 1913)

Im Gegensatz zu den zahlreichen anderen Höhlen der Schwäbischen Alb, in denen sehr bedeutende Funde gemacht wurden gibt es aus der Falkensteiner Höhle keinerlei Berichte darüber. Der Steinzeitliche Mensch mag das Felsdach des Höhleneingang sicherlich als Rast und Übernachtungsplatz benutzt haben, aber tiefer in der Höhle war es zu Nass und Kalt für einen dauerhaften Aufenthalt. In den urgeschichtlichen Zeiten war der Wasserspiegel in der Höhle vermutlich auch noch höher, die Elsach ist vermutlich auch noch ständig aus der Falkensteiner Höhle ausgetreten.

Der Roman "Rulaman" von David Friedrich Weinland ist eng mit der Falkensteiner Höhle verbunden. Er fesselte Generationen von schwäbischen Höhlenfreunden. Ihm zu Ehren wurde 1929 die Gedenktafel an der Falkensteiner Höhle angebracht. Die Falkensteiner Höhle ist aber nicht die "Tulka-Höhle" aus dem Roman. Weinland verlagerte die Handlung in die Schillerhöhle am Hohenwittlingen. Er lässt in der Falkensteiner Höhle die Sippe des Schamanen Angekko wohnen. David Friedrich Weinland ist in Grabenstetten aufgewachsen, er kannte also die Falkensteiner Höhle sicherlich sehr gut, deshalb siedelte er auch den Stamm nicht in der Höhle selbst an, sondern ließ die Steinzeitsippe den Vorhof bevölkern. Er vergrößerte in künstlerischer Freiheit die Felsterrasse und den Überhang und stellte hier Holz- und Baumhütten auf. Die mit Menschen- und Tierschädeln geschmückte Zauberhütte plazierte er auf die Felsempore im linken Eingangsbereich. Dort unterhält sich der Zauberer mit seinem Uhu oder zieht sich allein in die durch ein Tabu geschützte Höhle zurück, um mit den dort hausenden Erdgeistern zu konferieren.

 

Keltische Epoche

Die Grabenstetter Halbinsel war seit der späten Bronzezeit bis zur späten Keltenzeit dicht besiedelt1. Im 1.Jhd. v. Chr. errichteten sie dort ein riesiges Oppidum (befestigte Stadt) mit einem äußeren und einem inneren Befestigungsring. Der "Heidengraben" war die größte keltische Anlage in Mitteleuropa und hatte mit 16,6km2  gigantische Ausmaße. Die keltische Kernsiedlung wird Elsachstadt genannt, nach dem Bach der aus der unterhalb gelegenen Falkensteiner Höhle kommt. Nach neuen Erkenntnissen handelt es sich beim Heidengraben um die antike Stadt Riusiava des Ptolemaios2.

Den Kelten war die Falkensteiner Höhle sicherlich sehr gut bekannt, sei es als Trinkwasserquelle oder auch als Heiligtum3. Als Naturreligion benutzten die Kelten solche Plätze als Opferheiligtum. Der Fund einer Bronzefiebel vom "Nattheimer Typ" etwa 120m vom Eingang entfernt erhärtet diesen Verdacht auch wenn die Fundumstände unklar sind4.

Alleine die Vorstellung das ein keltischer Druide zum Beispiel am "weißen Riesen" blutrünstige Opferrituale vollführt lässt einen heutzutage erschauern.

 

Mittelalter

Aus dem Mittelalter liegen keine schriftlichen Zeugnisse über die Falkensteiner Höhle vor. In alten Lagerbüchern und Stiftungsurkunden aus Grabenstetten und Urach wird eine "Wiße im Waßerthal under Falckhenstein" erwähnt. Sie war als Stiftung in Uracher Besitz. 1406 wurde sie an "Heinzen, den alten Schultheißen zu Grabenstetten, und an Heinrich den Meßner daselbst,... als Erblehen verliehen,.. welche daraus jährlich an St. Leonhards Altar zu Urach auf Michaelis 3 Gulden reichen mussten. Als "Frühmeß Wüßen beim Falckhenstein" wird sie 1780 erwähnt.

In den Zeiten des 30 jährigen Krieges dienten viele Höhlen der Schwäbischen Alb als Zufluchtsstätten. Über die Falkensteiner Höhle finden sich keinerlei Berichte dazu. Sie war natürlich auch wenig geeignet aufgrund ihrer Topografie. Die Bewohner von Grabenstetten zogen sich sicherlich hinter die Mauern von Urach und dem Hohenneuffen zurück.

 

Bergbau in der Falkensteiner Höhle

Der erste Versuch

Über die erste Gruppe die Bergbau in der Falkensteiner Höhle betrieb ist relativ wenig überliefert. Um 1760 gründete ein "Papierer" aus Böhmen, der in Lenningen arbeitete eine Aktiengesellschaft, dadurch wurden einige Bürger aus Grabenstetten aus Begierde reich zu werden dazu verleitet eine große Summe zu investieren (Höslin).

Mehrere Jahre wurde ohne Genehmigung des fürstlichen Bergamts heimlich nach Schätzen gegraben, dann aber doch noch nach der offiziellen Genehmigung nachgesucht. Nach längerem Hin und Her wurde diese erteilt, aber wurde in amtlichen Schmelzproben nichts gefunden.

Es ist unklar wie lange dieser Bergbauversuch dauerte. Rösler berichtete: "Der Papierer machte sich aus der Sache". Es ist nicht bekannt ob er sich in betrügerischer Weise abgesetzt hatte als er genug Geld beiseite gebracht hatte oder ob die Gesellschaft mangels Geld und Erfolg einging.

 

Die Versuche von Rehfuß

Über den zweiten Versuch der Goldsuche in der Falkensteiner Höhle gibt es mehr Informationen5:

Der Anführer dieser Gruppierung war ein Heilbronner Wirt und Händler namens Johann Jakob Rehfuß. Er gab sich in betrügerischer Weise als "Probierer" aus, als Fachmann für Lagerstättenkunde und Scheidetechnik. Die Geldgeber der Gesellschaft waren wieder Grabenstetter und Uracher Bürger wie auch bei dem Unternehmen davor.

Rehfuß muss eine sehr charismatische Persönlichkeit gewesen sein. Es gelang ihm den selben Personenkreis zu motivieren wieder Geld zu investieren, der auch beim fehlgeschlagenen Versuch davor beteiligt gewesen ist. Außer den angeblichen wissenschaftlichen Fähigkeiten als Probierer und Alchemist verstand er es die abergläubischen Überzeugungen seiner Geldgeber auszunutzen. Seine Masche war eine "kabbalistische Berechnung6" wo Gold zu finden sei. Ein General aus Würzburg, von Tennemann, hatte sie ihm erstellt.  Selbst hochgestellte Persönlichkeiten aus Adel und Bürgertum waren damals von Alchemie und Geheimwissenschaft überzeugt, umso einfacher waren damals die Bürger von Grabenstetten und Umgebung zu überzeugen, da sie ja schon lange von der "Goldhöffigkeit" ihrer Höhle wussten.

Anfangs ging Rehfuß "bergmännisch" vor. Am letzten See begann er mit Hilfe von zwei gelernten Berghauern einen Stollen in den Kalk zu treiben. Diese gaben die Arbeit allerdings bald wieder auf, da sie den Schwindel offensichtlich bemerkten. Diese Einstellung teilte auch das herzogliche Bergamt, das ja schon Jahre zuvor aufgrund der Schmelzproben abgeraten hatte.

Rehfuß wurde dort vorgeladen, wohl am Ende seiner Bemühungen wegen Zahlungsschwierigkeiten. Bei dieser Vernehmung gestand er wohl bald ein, das er nichts von Gängen und Gangarten geschweige den vom "Probieren" verstehe. Vorerst ließen sich Rehfuß und seine Anhänger nicht von der Kündigung der Bergleute entmutigen. Es wurde mit Hilfskräften weitergearbeitet, er verließ sich aber mehr und mehr auf seine mystischen Berechnungen.

Da die Arbeit immer mühsamer wurde schlug man einen einfacheren Weg ein, man folgte lehmerfüllte Spalten und Zerüttungszonen im Gestein.

Es lässt sich nicht mehr genau belegen wann der Versuch von Rehfuß genau geendet hatte. Es ist auch nirgends erwähnt das er sich selber bereichert hatte. Vielleicht vertraute er selber auf seine Berechnungen und machte ,als ihm die Dinge über den Kopf wuchsen einfach weiter in der Hoffnung auf Erfolg.

 

Der Todesfall in der Höhle

Vor allem dieser Todesfall gibt bis heute Anlass für viele Spekulationen, Dichtung und Wahrheit vermischen sich. Aus den Kirchenprotokollen und dem Totenbuch von Grabenstetten lässt sich der Ablauf relativ genau rekonstruieren:

Das Todesopfer Christoph Ladner. war ein Weber aus Grabenstetten. Er wurde in Dottingen geboren und zog nach seiner Hochzeit 1755 nach Grabenstetten.

 

 

 

Neuzeitliche Forschungsgeschichte ab dem 20. Jahrhundert

1953:  Klaus Böhm durchtauchte als erster den ersten Siphon in 400m Tiefe. Die ArGe Höhlenforschung Reutlingen erforschte die Höhle bis zum Fuchsloch bei 1.200 m.

1959:  Hans Matz und Martin Kolb durchtauchten als erste den zweiten und dritten Siphon (2.200 m) und erforschten die Höhle bis zum Eiseleversturz bei 2.700 m

1977:  Jürgen Zerweck und Manfred Bartsch stießen durch den Eiseleversturz und drangen bis zum vierten Siphon bei 3.400 m vor.

1980: Jochen Hasenmayer erreichte den 26. Siphon bei 5.000 m.

1997–1999: Vermessung bis an den 8. Siphon bei 3.987 m durch Andreas Kücha.

2015: Entdeckung von 30m Neuland durch Mitglieder der Arge Grabenstetten.

2018: Entdeckung von 250 m Neuland durch Mitglieder der Arge Grabenstetten.

Fußnoten und Quellenangaben

 

Fund von Brandgrubengräbern der späten Bronzezeit (1200-800 v.Chr.) und der frühen Keltenzeit (800-450 v.Chr.) am Burrenhof.

2 Forschungsgruppe des Instituts für Geodäsie und Geoinformationstechnik der TU Berlin.

Vortrag Dr. Günter Wieland - Gesellschaft für Archäologie Baden Württemberg - Archäologie in Höhlen der Schwäbischen Alb 2018

4 Fundberichte aus Schwaben 1916 S.16

5 Nach Höslin und Rösler - spätere Autoren beziehen sich alle darauf

eine angeblich geheime altjüdische Zahlenwissenschaft

 

 

 

Quellen:

  1. Die Geschichte der Falkensteiner Höhle - Zeit und Höhlengeister - Herbert Griesinger - Eigenverlag der Arge Grabenstetten - 1989
  2. www.heidengraben.com
  3. Massatsch, Karl - Die Falkensteiner Höhle. Beschreibung und Geschichte. Verl. d. Schwäbischen Albvereins, Tübingen, 1912
  4. Hermann - Die Falkensteiner Höhle und ihre Geschichte. Verlag d. Schwäbischen Albvereins, 1921
  5. Griesinger, Herbert - Die Geschichte der Goldsuche in der Falkensteiner Höhle, Selbstverlag ArGE Grabenstetten 1988

wird fortgesetzt …...