Kastell Phoebiana („Bürgle“) – Grundremmingen

Lage und Geschichte:

Zwischen den Orten Gundremmingen und Aislingen befindet sich eine Böschung, die eine tertiäre Hochebene vom sumpfigen Donauried trennt und teilweise einen Höhenunterschied gegenüber der Donau von 70 m aufweist. An der Flur „Aschberg“ entspringt ein Bach, der sich in die Böschung einschnitt und eine längliche Kuppe hinterließ, die man im Volksmund das Bürgle nannte. An der Nordseite des Bürgle treten Quellen aus, die bewirkten, dass die umgebende Ebene sumpfig war. Somit war eine Annäherung nur über einen Bergrücken von Osten möglich.

Die Kuppe lag in römischer Zeit 700 m südwestlich des zeitlich früheren Vicus (Siedlung) am Aschberg und 500 m abseits der römischen Donau-Südstraße. Sie fällt an allen Seiten bis zu zehn Meter ab, der Rücken schließt eine Fläche von 60 × 25 m ein.

Die Identifikation der kleinen Anlage mit einem in der Notitia dignitatum genannten Kastell ist nicht vollständig gesichert. Es wird angenommen, dass sich der Name des nördlich der Donau gelegenen Faimingen (Phoebiana) auf das Bürgle übertragen hat.[2]

Als Besatzung ist damit die cohors V Valeria Frygum schriftlich belegt. Gegenüber den Kohorten der mittleren Kaiserzeit dürfte die Einheit aber eine wesentlich geringere Sollstärke besessen haben. Selbst Überlegungen einer Kastellbesatzung von 150 Mann dürften zu hoch gegriffen sein. Durch Funde von Pferdegeschirr, Trachtbestandteilen und Keramik werden germanische Foederaten als Besatzung fassbar. Spinnwirtel und Webgewichte legen zumindest die zeitweilige Anwesenheit von Frauen nahe.

Die Auswertung der Fundmünzen belegt eine Konstruktionszeit gegen Ende des 3. nachchristlichen Jahrhunderts.

Das Bürgle wurde im späten 4. Jahrhundert durch eine Brandkatastrophe zerstört. Anscheinend wurden kurz zuvor die Gräben wieder instand gesetzt, was einen Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen nahelegt. Die Münzreihe endet abrupt mit acht recht prägefrischen Stücken, die zwischen 378 und 383 n. Chr. unter Gratian, Valentinian II. und Theodosius I. in Aquileia geprägt worden sind.

Als Bewaffung fanden sich neben den Spitzen von Pfeilen, Lanzen und Wurfspießen auch Geschoßbolzen mit Vierkantspitze, wie sie für Torsionsgeschütze typisch sind.

Laut Fischer war dieses Kastell bis weit ins 5. Jhd mit Truppen besetzt, die vermutlich aus Ostgermanien stammten.

Spätantik war der Name dieser Anlage Febianis und es wäre im 5.Jhd mit der cohors Quinta Valeria frygum zu rechnen.

Anlage:

Der Plan der Ausgrabungen zeigt ein langgezogenes rechteckiges Lager mit hervorspringenden Türmen im Nordosten und im Westen. Die Größe beträgt 28 × 65 m bei einer ummauerten Innenfläche von 0,16 ha. Die etwa drei Meter breite Außenmauer war zum Teil mit Spolien mittelkaiserzeitlicher Steindenkmäler fundamentiert, die aus Faimingen stammen. Das Haupttor befand sich im Osten. Von dort führte die Lagerstraße entlang der Längsachse durch das Lager und endete im Westen in einem kleinen Innenhof. Dieser wurde vermutlich von einem großen, turmartigen Bauwerk dominiert. Daran anschließend wird eine kleinere Schlupfpforte im Nordwesten angenommen.

Der Fuß der Kuppe war von einem bis zu vier Meter breiten Graben umgeben, der teils als Spitz-, teils als Sohlgraben ausgeführt war.

Entlang der drei bis vier Meter breiten Lagerstraße befanden sich beidseitig Mannschaftsunterkünfte, die in Holz- oder Fachwerkbauweise errichtet waren. Darin wurden 18 Herdstellen nachgewiesen. Etwas komfortabler war lediglich der vermutliche Wohntrakt des Kommandanten im Westen ausgeführt. Er besaß einen Raum mit Hypokaustheizung sowie daran anschließend mehrere Räume mit Estrichfußboden (opus signinum).

Funde: Archäologische Staatssammlung München

Literatur: Fischer - Der römische Limes in Bayern

                      Wikipedia

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