Die Cojote GbR und der Outdoor Award

  1. Der Outdoor Award und die Auswirkungen auf unsere Höhlentouren in der Falkensteiner Höhle.

Momentan wird kontrovers diskutiert was der Sieg im Outdoor Award für Auswirkungen auf die Höhlentouren in der Falkensteiner Höhle hat. Viele haben zuerst einmal gerechtfertigt Angst das die Falkensteiner Höhle zu einem Objekt des Massentourismus verkommt. Dies ist definitiv nicht unser Ziel! Als wir letztes Jahr im Juni für den Outdoor Award nominiert wurden haben wir uns lange überlegt ob wir diese Nominierung überhaupt annehmen sollen gerade um solche Dinge zu vermeiden. Nach mehreren Tagen überlegen und auch vielen guten Gesprächen die uns die Problematik aus verschiedenen Richtungen beleuchtet hat sind wir zu dem Schluss gekommen dass wir diesen Spagat schaffen werden.

Der Erfolg bei unseren Höhlentouren im Vergleich zu anderen Unternehmen ist das wir es nicht auf den maximal möglichen Gewinn auslegen, sondern daraufhin das unsere Kunden möglichst viel von einer Tour mitnehmen. Dazu gehört Wissen über die Geologie und die Geschichte der Falkensteiner Höhle, aber auch das Erleben der völligen Dunkelheit, natürlich gehört auch mal ein bisschen Adrenalin in Engstellen dazu, aber das ist nicht der Schwerpunkt.

Unsere Touren leben also von nicht zu großen Gruppen und nicht zu vielen Menschen in der Höhle.

Daran werden wir auch in Zukunft nichts ändern, sonst würden wir uns ja selbst das Wasser abgraben.

Wir werden also durch diesen Erfolg weder die Gruppen vergrößern noch mehr Touren an den Wochenenden führen.

Einen übertriebenen Kommerz denke ich kann man uns sowieso niemals vorwerfen, sonst würden wir keine Touren unter der Woche mit zwei Gästen durchführen. Das sind übrigens unsere persönliche Lieblingstouren.

 

 

2.  Die Auswirkungen der Sperrung der Falkensteiner Höhle für die Allgemeinheit

Die Falkensteiner Höhle ist ja seit 2018 durch eine Polizeiverordnung für die Allgemeinheit gesperrt.

Durch einen Höhlenunfall eines gewerblichen Höhlentourenanbieters blieb die Gemeinde Grabenstetten durch einen Haftungsausschluss des Veranstalters bedingt auf den Rettungskosten sitzen. Deshalb ist auch die Sperrung durch die Gemeinde nachvollziehbar.

Die Sperrung der Höhle sehen wir prinzipiell erst mal positiv.

Seit der Sperrung der Höhle hat die Vermüllung der Höhle praktisch aufgehört. Wir brauchen keine zerstörten Bierflaschen, Fackelreste, Kothaufen und anderes mehr aus der Höhle entfernen.

Lediglich ein Hochwasser spült wieder einiges an altem Müll frei. Wir haben mittlerweile ein ganzes Sammelsurium an Fundstücken aus der Falkensteiner Höhle.

Bei unseren tieferen Touren werden wir uns jetzt auch an Karbidhäufen von Höhlenforschern aus mittlerweile lange vergangenen Zeiten machen.

Auch haben die Besuche der Falkensteiner Höhle in kurzen Hosen, Badeschlappen und ähnliches fast völlig aufgehört. Obwohl die Höhle über kein Absperrgitter verfügt – komischerweise halten sich die Leute an die Sperrung.

Ich kann die Verärgerung der Höhlenforscher natürlich auch verstehen. Sie brauchen jetzt auch eine Genehmigung für die Falkensteiner Höhle. Aber so ist das halt… gleiches Recht für alle.

 

3. Gewerbliche Höhlentouren in der Falkensteiner Höhle

Nach meinen Recherchen gibt es seit 1997 gewerbliche Höhlentouren in der Falkensteiner Höhle. Es ist also keine neue Erfindung von uns. Bis 2018 gab es eine Vielzahl von unterschiedlichen Veranstaltern, am Anfang meistens 1 Mann- Unternehmen. Ab 2014 änderte sich das etwas. Das Interesse an geführten Outdoor Events nahm stark zu. Es entstanden größere Unternehmen die meistens sehr gewinnwirtschaftlich orientiert waren (Jochen Schweizer / Mydays). Durch die Vertragsbedingungen dieser Unternehmen geschuldet (ca. 35% Provision) hatten sie zwangsläufig einen hohen Durchsatz von Kunden. So kam es auch zu Gruppengrößen bei manchen Anbietern von regelmäßig 20-25 Gästen, was aus meiner Sicht völlig abzulehnen ist.

Vor der Höhlensperrung gab es ca. 15 Unternehmen, die in der Falkensteiner Höhle Touren durchgeführt haben. Nach der Sperrung 2018 blieben etwa 12 übrig. Durch die Erhöhung der Genehmigungsgebühren blieben 5 Unternehmen übrig.

Auf Dauer wird sich sicherlich die Zahl nochmals reduzieren. Meiner Meinung nach werden auf Dauer höchstens 3 Unternehmen in der Falkensteiner Höhle übrig bleiben.

 

4. Qualität der gewerblichen Höhlentouren im Laufe der Zeit

Gewerbliche Höhlentouren sind aus unterschiedlichen Gründen in der Kritik der Höhlenforschern – leider meiner Meinung nach teilweise zu Recht.

 

4.1 Ausrüstung

Wir haben es leider selber erlebt in der Falkensteiner Höhle. Nicht jeder Teilnehmer hat eine eigene Stirnlampe oder gar einen Helm. Manche Anbieter statteten ihre Gäste nicht mit Neoprensocken aus, die Stirnlampen waren nicht wasserdicht. Von der Ersten Hilfe Ausrüstung mal ganz zu schweigen. Die Liste lässt sich sicher noch fortsetzen.

Das solche Dinge fragwürdig sind darüber brauche ich wohl kein Wort zu verlieren.

 

4.2 Ausbildung bzw. Durchführung der Touren

In Deutschland braucht man keinerlei Ausbildung für die Durchführung von gewerblichen Höhlentouren. Eigentlich ist nicht einmal ein gültiger Erster Hilfe Kurs vorgeschrieben.

Das ist meiner Meinung nach so nicht richtig. Gerade die Falkensteiner Höhle bietet vielfältige Risiken. Neben den Verletzungsrisiken bestehen vielfältige Risiken durch das Wetter und die Kälte.

Neben einer fundierten Erste Hilfe Ausbildung gehören gerade in der Falkensteiner Höhle umfassendes Wissen in Meteorologie, Hydrologie und Geologie dazu um eine qualitativ hochwertige Höhlentour führen zu können.

Der Hochwassereinschluss am 28.7.2019 wäre so „möglicherweise“ zu verhindern gewesen.

Das der Kommerz nicht über die Sicherheit gehen darf bedarfs wohl keiner weiteren Kommentierung von mir.

Andere europäische Länder sind da schon etwas weiter wie Deutschland. Um in Frankreich Höhlentouren zu führen benötigt man einen Sportlehrer in Verbindung mit einer Zusatzprüfung.

 

5. Ausblick auf die Zukunft.

Die komplette Outdoor Branche wandelt sich durch das Wachstum momentan sehr schnell. In den ersten Sparten wird von größeren Auftraggebern (durch die Unfallkasse des Bundes) eine Zertifizierung verlangt (Hochseilgärten z.B.)

Seit 2019 gibt es eine neue Zertifizierung die Iso 21101 für „Adventure Tourism“. Sie beinhaltet ein umfassendes Risikomanagment. Auch ist zwingend die Nachhaltigkeit und der Naturschutz vorgeschrieben.

Die ersten Outdoor Unternehmen (unter anderem wir) planen für 2021 die Zertifizierung. Damit erhoffen wir (ich spreche für mehrere Outdoor Unternehmen) einen deutlichen Qualitätsgewinn.

 

 

 

 

 

 

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